Archiv für 6. Juli 2022

„PAPST FRANZISKUS, WAS DESIDERIO DESIDERAVI SAGT“

Papst Franziskus´ Apostolischer Brief Nr. 83 ist die Antwort des Papstes auf die Frage der traditionellen Messe. Herausgegeben am 29. Juni und formell in San Giovanni in Laterano unterzeichnet, weil der Papst es vorzog, damit seine Rolle als Bischof von Rom zu unterstreichen. Desiderio Desideravo besteht aus 65 Paragraphen und ist praktisch eine kleine Zusammenfassung des Denkens des Papstes. Formal betrifft er die Liturgie. Der Brief sagt uns jedoch viel mehr.

Das Erste, was auffällt, ist, daß Papst Franziskus die Form eines Apostolischen Briefes wählt und daß er das 82 mal zuvor getan hat. Papst Franziskus zieht es vor, das Volk Gottes direkt anzusprechen. Wenn seine offiziellen Standpunkte apostolische Briefe sind werden andere, informellere Dinge von Briefen begleitet, die direkt an das Volk adressiert ist.

Für Papst Franziskus ist der apostolische Brief eine Methode zu regieren und ein Weg, Macht auszuüben. Aber wie immer ist Form auch Substanz. Und jeder, der in dieser Informalität von Papst Franziskus einen Mangel an Form sieht, würde sich irren.

Papst Franziskus möchte kommunizieren, daß er das Volk Gottes ungefiltert anspricht. Beweis ist die Tatsache, daß der Brief in erster Person verfaßt ist und das persönliche Denken von Papst Franziskus ausdrückt. In dem Brief sind, das ist wahr, viele Zitate, sogar gelehrte. Aber die sind alle Teil des Planes von Papst Franziskus, sein Denken zu rechtfertigen. Schließlich stellt Papst Franziskus Thesen auf und eröffnete keine Diskussionen. Tatsächlich zielt dieser apostolische Brief darauf ab, jede Diskussion zu beenden.

Das zweite betrifft den sehr persönlichen Stil des Briefes. Nicht, daß andere Päpste nicht ihren persönlichen Stil benutzt und die Bischöfe und das Gottesvolk direkt und herzlich angesprochen hätten.

Um ein jüngeres Beispiel zu zitieren, hat Benedikt XVI das mindesten bei zwei sehr wichtigen Gelegenheiten getan: als er an die durch Mißbrauchsfälle erschütterten Bischöfe und Menschen Irlands schrieb und als er nach der Aufhebung der Exkommunizierung von vier Lefebvre- Bischöfen an seine Mitbrüder im Bischofsamt schrieb.

Der Brief zu den Lefevbrianern wurde einfach als Brief definiert; der an die Irischen Katholiken als Hirtenbrief. Der Apostolische Brief ist zweifellos weniger wichtig als eine Apostolische Kontitution, eine Enzyklika oder eine Apostolische Exhortation, bleibt aber Ausdruck des päpstlichen Lehramtes.

Deshalb wird eine persönliche Ansicht von Papst Franziskus lehramtlich. Das ist schon in anderen Fällen in diesem Pontifikat passiert. Der berühmteste ist der, in dem Papst Frangiskus entschied, daß er den Brief zur Anwendung der Apostolischen Exhortation Amoris Laetitia , den er an die Argentinischen Bischöfe schickte, in die Acta Apostolica Sedis, die offiziellen Dokumente des Hl. Stuhls, einfügen ließ.

Aus diesem Ansatz können wir erkennen, daß Papst Franziskus ein Papst ist, der mehr zentralisiert als er zeigen möchte. Es wird viel über Synodalität und Parrhesia geredet, aber wir haben einen Papst, der via motu proprii regiert und seine Meinungen durch Apostolische Briefe offiziell macht. Das gibt Grund zum nachdenken.

Und deshalb ein dritter Grund aufmerksam zu sein: Papst Franziskus´ Idee von Einheit

In Nr. 61 des Apostolischen Briefes schreibt der Papst, daß „wir alle berufen sind, immer wieder den Reichtum der Hauptprinzipien in den ersten Kapiteln von Sacrosanctum Concilium wieder zu entdecken, indem wir die innige Verbindung zwischen der ersten der Konzilskonstitutionen und allen anderen verstehen.

Aus diesem Grund, fügt der Papst hinzu- „können wir nicht zu einer Form des Ritus zurückkehren, die zu reformieren, die Konzilsväter ,-cum Petro et sub Petro- für nötig befanden und unter der Führung des Geistes und ihrem Gewissen als Hirten folgend – Prinzipien zu approbieren, aus denen die Reform entsprungen ist.“

Papst Franziskus beschreibt Traditionis Custodes, das die Freigabe der alten Riten widerruft, als Geste der Kontinuität mit den Entscheidungen von Papst Paul VI und Johannes Paul II. Er erklärt, daß er es geschrieben hat, „damit die Kirche in den verschiedenen Sprachen das einzige und gleiche Gebet erheben kann, das in der Lage ist ihre Einheit auszudrücken. Diese Einheit bezweckt- sie ich bereits geschrieben habe- soll in der gesamten Kirche des Römischen Ritus etabliert werden. „

Praktisch gesehen führt der Papst Einheit mit Gewalt ein. Das ist exklusiv statt in inklusiv zu sein und es ist paradox, wenn man bedenkt, daß das gesamte Pontifikat durch seine Inklusivität beschrieben wurde.

Früher hat die Kirche versucht, diejenigen einzubeziehen, die aus dem allgemeinen Verstehen heraustraten, solange sie zeigten, daß sie in Gemeinschaft mit der Kirche bleiben wollten. Johannes Paul II. versuchte bis zuletzt, die Kluft mit den Lefevbristen zu heilen und räumte nur die illegitime Weihe von vier Bischöfen ein.

Benedikt hat das Problem gelöst, indem er die Freigabe des Alten Ritus gewährte aber die Lefebvristen aufforderte, ein vorläufiges Dokument zu unterschreiben, in dem sie für die Kommunion mit Rom das II. Vaticanische Konzil akzeptierten.

Papst Franziskus wählt einen anderen Ansatz. Er behandelt diejenigen auerhalb der Kirche mit äußerstem Respekt, und sie Lefevbrianer haben erlebt, daß ihrer Beichten und Trauungen während dieses Pontifikates anerkannt wurden. Zur selben Zeit war Fellay, das frühere Oberhaupt der FSSPX sogar Richter in einigen Prozessen der Rota.

Diejenigen jedoch, die in der Kirche bleiben und andere Ansichten haben, werden sofort gezwungen zurück zu weichen, weil Papst Franziskus eine präzise Meinung davon hat, was Pluralität sein sollte. Am Ende ist sogar auch hier, Papst Franziskus ein Papst der das Kommando allein ausübt.

Da gibt es kein Vertun: Desiderio Desideravi hat auch faszinierende und schöne Passagen zur Ausbildung der Priester in der Liturgie und zur Liturgie selbst und die rechtzeitige Einladung die Symbolde neu zu entdecken. Dennoch ist Desiderio Desideravi auch ein fantastisches Eintauchen in das Denken von Papst Franziskus. Bis zur nächsten Episode. „

Quelle: A. Gagliarducci, Monday in the Vatican, beiboot-petri

Mittwochskolumne vom 06.07.2022

Der Glaube ist lebensbejahend

Bern (novaradio.ch): In den USA und anderen Ländern der Welt wird momentan sehr intensiv über die Frage diskutiert, inwiefern Abtreibung erlaubt sein darf. Die katholische Position diesbezüglich ist klar. Das Leben ist schützenswert von der Empfängnis bis zum Ende des menschlichen Lebens. Es geht nicht darum, Frauen zu verurteilen, die zu so einem Schritt greifen. Es geht um die Frage, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen. Bejahen wir das Leben in all seinen Formen oder wollen wir uns zu Herren über die Frage machen, wer leben darf und wer nicht. In der Geschichte haben uns Unrechtsysteme gezeigt, dass der Mensch sich nicht zum Herrn über diese Frage machen darf. Und auch die heutigen Gesellschaften, man muss es an dieser Stelle offen sagen, sind Unrechtssysteme geworden. Wenn in der reichen Schweiz Menschen am Lebensende die Sterbehilfe nahegelegt wird oder viele werdende Kinder, nur weil sie einen gesundheitlichen Mangel aufweisen, abgetrieben werden, handelt es sich um ein Unrechtssystem.  Das Recht ist in einer Gesellschaft da, um die Schwächsten zu schützen. Ungeborene, kranke und ältere Menschen sind die Schwächsten unserer Gesellschaft. Schafft es unser Recht nicht, Lebensbedingungen zu schaffen, die diesen Menschen gerecht werden, dann dürfen wir uns nicht als Rechtsstaat bezeichnen. Wir alle tragen Verantwortung dafür, dass werdende Mütter und Menschen, die durch Krankheit und Alter leiden, einen Sinn im Leben ihrer Kinder und in ihrem eigenen Leben sehen. Wir müssen eine Kultur des Lebens schaffen. Es tut mir sehr weh, wenn ich ältere Menschen in der Schweiz sehe. Oft sind sie einsam und haben keine sozialen Kontakte. Es ist kein Wunder, dass ältere Menschen, wenn sie sich total überflüssig fühlen, aus dem Leben scheiden wollen. Auch werdende Mütter wissen oft nicht, wie sie eine Existenz aufbauen können für sich und ihr Kind. Dabei stehen nicht nur finanzielle Aspekte im Vordergrund, sondern auch soziale und mitmenschliche. Der Individualismus in der Schweiz hat zu einer Kultur geführt, bei dem jeder Einzelne sich selber durchschlagen muss. Das Leben wird nicht mehr als eine Gnade Gottes zelebriert, sondern als eine Optimierungsmaschinerie. Schwangerschaft, Krankheit und Alter sind hierbei Hindernisse auf dem Weg zu dieser Optimierung. Leider weiss aber niemand, was denn das Optimum eines Lebens sein soll. Hat man es erst dann geschafft, wenn man reich, schön und beruflich erfolgreich ist? Ist dies ein geglücktes Leben? Ich denke nicht, dass dies die ersten Ziele eines Christen sein sollten. Jesus verspricht uns, dass wir das Leben in Fülle haben werden, wenn wir ihm nachfolgen. Das Evangelium ist eine lebensbejahende Botschaft. Wir alle müssen dafür Sorge tragen, dass dieses Ja zum Leben auch das Leben unserer Mitmenschen bereichert. Das ist unsere Aufgabe als Katholiken. DR

PROGRAMMHINWEIS

HEUTE UM 16H, KÖNNEN SIE EINE NEUE SENDUNG – MIT DEM TITEL „FAMBRO“ – HÖREN. LUKA, IVAN UND MEINE WENIGKEIT (DAVOR NOVAKOVIC) SPRECHEN UND FRAGEN UNS ZUM THEMA KATHOLISCHER GLAUBE. HEUTE GEHT ES UM FERIEN UND GLAUBE.