Archiv für 22. Mai 2024

Mittwochskolumne: Katholische Grundtugenden leben

Bern (novaradio.ch): In der Schweizer Kirche wird heute viel über Fragen geredet, die dem Glaubens leben des normalen Katholiken nicht wirklich nützen, sondern nur der Profilierung einiger Theologinnen und Theologen dienen und um davon abzulenken, dass man es in den letzten Jahren verpasst hat, eine Neuevangelisierung einzuleiten. Ganz bestimmt wird die Katholische Kirche nicht mehr Gläubige haben, wenn die Frauenordination eingeführt und die Sexualmoral geändert wird. Wenn dies der Fall wäre, müsste die reformierte Kirche einen grossen Zulauf haben, was ganz offensichtlich nicht der Fall ist. Schädlich ist die Fixierung auf diese Fragen auch deshalb, weil dadurch ganz normale Tugenden, die ein Katholik haben und leben sollte, in Vergessenheit geraten. Das Leben des einzelnen Katholiken sollte durch Glauben, Hoffnung und Liebe geprägt sein. Wenn wir uns nur mit der Frage beschäftigen, wie wir die Kirche ändern können, dann vergessen wir, dass die Hauptaufgabe eines Christen ist, sich selbst zu ändern und zu verbessern. Dieser Weg des Verbesserns ist im Alltag steinig und benötigt viele kleine Schritte. Oft ist es der Hochmut, von heute auf morgen perfekt sein zu wollen, der uns daran hindert, diesen Weg zu beginnen. Ich glaube, viele der Menschen, die heute so radikale Reformen fordern, sind selbst verunsichert über ihren Glaubensweg und wissen im Innern, dass der Weg Jesu keine Abkürzungen ermöglicht, sondern beschwerlich ist. Aus Angst davor, Christus nachzufolgen, wollen sie lieber die ganze christliche Lehre relativieren und verändern. Glücklich werden sie damit jedoch nicht. Gott zwingt uns diesen (Kreuz)-Weg ja nicht auf, um uns unglücklich zu machen, sondern um uns das Leben in Fülle zu schenken. Denn dieser beschwerliche Weg, den uns das Evangelium aufbürdet, schenkt uns – bereits hier auf Erden – viel mehr Glück als ein oberflächlich geführtes Leben. Es gibt nichts, was den Menschen mehr erfüllt, als ein Leben aus Glauben, Hoffnung und Liebe. Es ist unsere Aufgabe als Katholiken, durch unser Leben ein Glaubenszeugnis zu liefern, wie glücksbringend ein solches Leben mit Gott ist und wie wenig man sich fürchten muss, Jesus zu folgen. So werden wir die Kirche zum Guten hin verändern. Möge die Muttergottes, der wir im Mai besonders gedenken, uns auf diesem Weg leiten und beschützen. DR