Geplante Zerstörung in Taungngu
In Myanmar droht ein weiteres religiöses und kulturelles Erbe zerstört zu werden. Ein kürzlich aufgetauchtes Schreiben der Militärjunta belegt, dass im Zuge von archäologischen Grabungen in der antiken Stadt Toungoo-Ketumati zahlreiche religiöse Bauwerke abgerissen werden sollen. Besonders betroffen ist die Sacred Heart Cathedral von Taungngu, eine der ältesten und bedeutendsten katholischen Kirchen des Landes.
Nach den Plänen der Junta sollen neben der Kathedrale auch 16 buddhistische Klöster, ein Nonnenkloster, ein Rückzugszentrum sowie eine Pagode verschwinden. Offiziell begründet das Regime diese Massnahmen mit dem Schutz und der Freilegung historischer Stätten. Vertreter der Kirchen und Klostergemeinschaften sehen darin jedoch vor allem eine gezielte Schwächung religiöser Identität.
„Ich habe nur noch die Hoffnung, um Nachsicht zu bitten – dass zumindest die eigentliche Kirche verschont bleibt.“
(Priester aus Taungngu)
Welle der Zerstörung religiöser Gebäude
Die geplanten Abrisse reihen sich ein in eine Serie von Angriffen auf religiöse Einrichtungen seit dem Militärputsch 2021.
- März 2025: Die St.-Patrick’s-Kathedrale in Banmaw (Kachin-Staat) wurde in Brand gesetzt, nachdem bereits Verwaltungsgebäude und eine Schule auf dem Gelände zerstört worden waren.
- Chin- und Sagaing-Region: Zahlreiche Kirchen und Klöster wurden durch Luftangriffe, Artillerie und Brandanschläge schwer beschädigt oder vollständig vernichtet.
Menschenrechtsorganisationen sprechen inzwischen von bis zu 200 zerstörten religiösen Gebäuden im ganzen Land. Beobachter sehen darin eine gezielte Strategie der Militärregierung: Religiöse Zentren, die für die Bevölkerung eine zentrale Rolle spielen, sollen aus dem öffentlichen Leben getilgt werden. Besonders betroffen sind dabei christliche Gemeinden, die überwiegend ethnischen Minderheiten angehören.

Symbol für kulturelle Unterdrückung
Die drohende Zerstörung der Sacred Heart Cathedral von Taungngu ist daher nicht nur ein lokales Drama, sondern ein Symbol für den Versuch, kulturelle und spirituelle Vielfalt in Myanmar zu unterdrücken.
Kommentar – Ein Angriff auf die Seele eines Volkes
Wer Kirchen, Klöster und Pagoden niederreisst, greift nicht nur Steine und Mauern an, sondern die Seele eines ganzen Volkes. Die militärische Führung Myanmars zeigt damit offen ihre Missachtung von Glaubensfreiheit und kultureller Identität.
Der Abriss der Sacred Heart Cathedral wäre ein irreparabler Verlust – nicht nur für die katholische Gemeinde, sondern für die gesamte religiöse Landschaft des Landes.
Aufruf an die internationale Gemeinschaft
Es ist dringend notwendig, dass die internationale Gemeinschaft nicht schweigt. Regierungen, Kirchen und Organisationen sind aufgerufen, klar Stellung zu beziehen und auf den Schutz dieser heiligen Orte zu drängen.
Die Menschen in Myanmar dürfen nicht allein gelassen werden: Ihre Kirchen und Klöster sind nicht nur Bauwerke, sondern Orte des Trostes, des Glaubens und der Hoffnung. Sie zu bewahren, heisst, die Würde und die Zukunft einer leidenden Nation zu verteidigen.
