Papst Leo XIV. hat in seinem ersten grossen Interview mit der US-Zeitung Crux seine Schwerpunkte deutlich gemacht. Das Gespräch wurde anlässlich seines 70. Geburtstages veröffentlicht und zeigt, wie der neue Papst die Kirche und die Weltlage einschätzt.

Ein zentrales Thema war die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Leo XIV. warnte eindringlich vor der Machtkonzentration in den Händen weniger Superreicher und stellte die Frage, welchen Wert Geld noch habe, wenn es das einzige Kriterium für Erfolg werde. Damit knüpft er an die Tradition der kirchlichen Soziallehre an und betont die Verantwortung der Wohlhabenden für das Gemeinwohl.

Besorgt zeigte sich der Papst auch über die zunehmende Polarisierung in Gesellschaft und Kirche. Diese Spaltungen seien durch die Pandemie verstärkt worden und hätten dazu geführt, dass der Wert des menschlichen Lebens vielerorts in Vergessenheit geraten sei. Als Heilmittel sieht Leo XIV. eine Kirche, die auf Synodalität setzt: nicht als Demokratie im weltlichen Sinn, sondern als gemeinsames Gehen, Zuhören und Tragen der Verantwortung aller Gläubigen.

Auch heikle Fragen wie die Stellung von LGBT-Personen und die Rolle der Frauen sprach der Papst offen an. Er bekräftigte, dass alle Menschen in der Kirche willkommen seien, unabhängig von ihrer sexuellen Identität – „todos, todos, todos“. Zugleich stellte er klar, dass dies keine Änderung der kirchlichen Lehre über Ehe und Sexualität bedeute. Wichtig sei vielmehr eine neue Haltung des Respekts und der Wertschätzung, bevor überhaupt über mögliche Lehrentwicklungen gesprochen werden könne. Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare seien nur im Sinn von Fiducia Supplicans möglich, nicht aber in ritualisierter Form.

Zur Frauenordination erklärte Leo XIV., dass die Kirche an ihrer bisherigen Lehre festhält und keine Öffnung in Richtung Priester- oder Diakoninnenweihe geplant sei. Gleichzeitig wolle er aber den Weg fortsetzen, Frauen in leitende und verantwortungsvolle Aufgaben in der Kirche einzubinden. Damit setzt er ein Signal, dass ihre Stimmen und Charismen für die Zukunft der Kirche unverzichtbar sind.

Im Blick auf die Weltpolitik sprach Leo XIV. über den Krieg in der Ukraine. Der Heilige Stuhl wolle weiter Brücken bauen und im Dialog vermitteln. Zugleich betonte der Papst, dass es unrealistisch sei, den Vatikan allein als Gastgeber für Friedensgespräche zu sehen – hier brauche es viele Akteure, die gemeinsam für Frieden eintreten.

Auf die Rolle des Papstes angesprochen, machte Leo XIV. deutlich: Sein Hauptauftrag sei es nicht, alle Probleme der Welt zu lösen, sondern den Glauben zu stärken und das Evangelium zu verkünden. Gleichwohl sehe er eine „steile Lernkurve“, auch im Umgang mit den politischen Dimensionen des Papstamtes.

Persönlich sprach Leo XIV. über seine Herkunft: Als US-Amerikaner mit langjährigem Dienst in Peru verbindet er beide Länder eng mit seinem Lebensweg. Seine kulturellen Wurzeln reichen zudem nach Europa, Afrika und die Karibik. Mit einem Schmunzeln erklärte er, dass er beim Fussball wohl Peru die Daumen drücke, auch wenn sein Geburtsland USA ins Spiel komme.

Das Interview zeigt einen Papst, der soziale Fragen klar benennt, sich für Einheit in der Kirche starkmacht, die pastorale Begleitung von LGBT-Personen betont und die Rolle der Frauen neu stärken will. Zugleich bleibt er fest in der Lehre verwurzelt und stellt die Verkündigung des Evangeliums ins Zentrum. Leo XIV. setzt damit ein deutliches Zeichen, dass er die drängenden Themen unserer Zeit mit pastoraler Klarheit und missionarischem Eifer angehen will.

Von admin