Hier sind die drei Hauptgründe, warum dieser Tag gefeiert wird:
1. Der religiöse Hintergrund: Der Gang nach Emmaus
Der wichtigste theologische Grund basiert auf einer Erzählung aus dem Lukas-Evangelium. Am Tag nach der Auferstehung Jesu (also dem Montag) machten sich zwei Jünger auf den Weg von Jerusalem nach Emmaus.
- Die Begegnung: Während sie über die Ereignisse der Kreuzigung sprachen, schloss sich ihnen ein Fremder an.
- Die Erkenntnis: Erst beim gemeinsamen Abendessen, als der Fremde das Brot brach, erkannten sie in ihm den auferstandenen Jesus.
- Die Botschaft: Die Jünger kehrten sofort nach Jerusalem zurück, um die frohe Botschaft zu verkünden. Der Ostermontag steht also symbolisch für die Verbreitung der Nachricht der Auferstehung.
Die Bibelstelle
- Evangelium: Lukas
- Kapitel: 24
- Verse: 13 bis 35
Die Handlung im Überblick
Zwei Jünger (einer davon mit Namen Kleopas) sind drei Tage nach der Kreuzigung Jesu auf dem Weg von Jerusalem in das Dorf Emmaus. Sie sind voller Trauer und Hoffnungslosigkeit. Ein Fremder gesellt sich zu ihnen, den sie jedoch nicht erkennen. Er erklärt ihnen anhand der Heiligen Schrift, warum der Messias all das erleiden musste.
Als sie in Emmaus ankommen und gemeinsam zu Abend essen, bricht der Fremde das Brot. In diesem Moment „wurden ihnen die Augen geöffnet“ und sie erkannten, dass es der auferstandene Jesus war. Daraufhin verschwindet er vor ihren Augen, und sie eilen zurück nach Jerusalem, um den anderen davon zu berichten.
Die Bedeutung der Erzählung
Diese Geschichte hat für den christlichen Glauben eine tiefe symbolische Bedeutung:
- Vom Zweifel zum Glauben: Die Jünger stehen für alle Menschen, die in Krisenzeiten den Mut verlieren. Die Erzählung zeigt, dass Gott auch dann da ist, wenn man ihn (noch) nicht erkennt.
- Die Bedeutung der Gemeinschaft: Jesus wird nicht in einer einsamen Vision erkannt, sondern im Gespräch und im Teilen des Brotes. Das ist bis heute der Grundstein für das Abendmahl bzw. die Eucharistie.
- Die Heilige Schrift verstehen: Der Text betont, dass man das Wirken Gottes oft erst rückblickend versteht, wenn man die alten Verheissungen (das Alte Testament) mit den neuen Ereignissen verknüpft.
- Die „Augenöffnung“: Es geht um den Moment der Erkenntnis. Glaube ist hier kein theoretisches Wissen, sondern eine persönliche Begegnung, die das Leben verändert.
Wusstest du schon? Wegen dieser Verse wird der Ostermontag oft als Tag des „Emmausgangs“ bezeichnet – ein Spaziergang oder eine kleine Wallfahrt, bei der man symbolisch den Weg der Jünger nachvollzieht und über das Leben nachdenkt.
2. Die historische „Osteroktav“
Früher war Ostern nicht nach einem oder zwei Tagen vorbei. In der katholischen Kirche gab es die sogenannte Osteroktav.
- Das bedeutet, dass das Osterfest ursprünglich acht Tage lang als Hochfest gefeiert wurde (von Ostersonntag bis zum darauffolgenden Sonntag).
- Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese arbeitsfreien Tage schrittweise reduziert. Der Ostermontag blieb jedoch in vielen europäischen Ländern als staatlicher Feiertag erhalten, um den Gläubigen Zeit für die Fortführung der Feierlichkeiten zu geben.
Was bedeutet der Begriff „Oktav“?
Das Wort „Oktav“ stammt vom lateinischen Begriff octavus, was „der achte“ bedeutet. In der kirchlichen Tradition bezeichnet eine Oktav eine achttägige Festzeit. Die Osteroktav ist also die Zeitspanne von exakt acht Tagen, die am Ostersonntag beginnt und am darauffolgenden Sonntag (dem sogenannten Weissen Sonntag) endet.
Die historischen Gründe für die Osteroktav
1. Die jüdischen Wurzeln Das frühe Christentum hat viele seiner liturgischen Rhythmen aus dem Judentum übernommen. Das jüdische Passahfest (Pessach), in dessen zeitlichem Rahmen sich Tod und Auferstehung Jesu ereigneten, war ebenfalls ein Fest, das nicht nur an einem Tag, sondern über eine ganze Festwoche (sieben bis acht Tage) hinweg gefeiert wurde.
2. Die Taufpraxis der Urkirche Der wichtigste historische Grund liegt in der Tradition der frühen Kirche. In den ersten Jahrhunderten des Christentums war die Osternacht der zentrale – und oft der einzige – Zeitpunkt im Jahr, an dem neue Gläubige getauft wurden.
- Die weissen Gewänder: Die frisch Getauften erhielten nach dem Untertauchen ein weisses Kleidungsstück. Dieses stand symbolisch für die Reinigung von Sünden und das neue Leben in Christus.
- Der Weisse Sonntag: Die Neugetauften trugen dieses weisse Gewand eine ganze Woche lang bei den täglichen Gottesdiensten. Erst am achten Tag (dem Sonntag nach Ostern) legten sie es wieder ab. Daher stammt auch der Name „Weisser Sonntag“ (lateinisch: Dominica in albis – der Sonntag in weissen Gewändern).
3. Zeit der Lehre (Mystagogie) Während dieser acht Tage versammelten sich die neu getauften Christen täglich. Da sie vor der Taufe bestimmte tiefere Geheimnisse des Glaubens (wie etwa die genaue Bedeutung der Eucharistie) noch nicht kennenlernen durften, diente die Osteroktav als intensive Unterrichtswoche. Hier wurden sie in die „Geheimnisse“ ihres neuen Glaubens eingeführt.
Die theologische Bedeutung: Ein einziger, riesiger Tag
Ostern ist das höchste und wichtigste Fest im Christentum – noch vor Weihnachten. Die theologische Überzeugung lautet: Das Ereignis der Auferstehung ist zu gewaltig und die Freude darüber zu gross, um sie an nur einem einzigen Kalendertag abzuhandeln. * Die Ausdehnung der Zeit: Die Kirche behandelt die gesamte Osteroktav liturgisch so, als wäre es ein einziger langer Tag.
- Höchste Feierlichkeitsstufe: In der katholischen Kirche wird jeder einzelne Tag von Ostermontag bis zum Weissen Sonntag als „Hochfest“ gefeiert – das ist die höchste liturgische Stufe.
Aus diesem achttägigen „Ausnahmezustand“ hat sich im Laufe der Jahrhunderte in vielen Ländern der Ostermontag als arbeitsfreier, staatlicher Feiertag herauskristallisiert, um den Menschen Zeit für diese ausgedehnte Festlichkeit zu geben.
3. Kulturelle Traditionen: Der Osterspaziergang
Über den kirchlichen Kontext hinaus hat sich der Ostermontag als Tag der Gemeinschaft und der Natur etabliert.
- Emmausgang: In vielen ländlichen Regionen (besonders in Bayern und Österreich) gibt es noch heute den „Emmausgang“, einen besinnlichen Spaziergang am Morgen.
- Goethes Osterspaziergang: Weltberühmt wurde die Tradition durch Johann Wolfgang von Goethe in seinem Werk Faust I. Die Zeilen „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…“ beschreiben das Erwachen der Natur und den Drang der Menschen, nach dem Winter (und der Fastenzeit) wieder ins Freie zu gehen.
Zusammenfassend: Der Ostermontag verlängert die Osterfreude. Er verbindet das christliche Gedenken an die Erscheinung Jesu mit der weltlichen Freude über den beginnenden Frühling und die Zeit mit der Familie.
novaradio.ch
