Das Gedächtnis der Schmerzen Mariens, das die Kirche am 15. September begeht, ist in der Liturgie eng mit dem Fest der Kreuzerhöhung verbunden. Es bringt die untrennbare Einheit zwischen dem Opfer Christi und der Teilhabe Mariens an diesem Opfer zum Ausdruck.
Biblische Grundlage
Die Heilige Schrift legt den Grund für dieses Gedächtnis. Als Maria den neugeborenen Christus im Tempel darbrachte, kündigte Simeon ihr an: „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“ (Lk 2,35). Diese Weissagung wird zur Leitlinie für das Verständnis ihrer Teilnahme am Leiden Christi. Maria steht nicht ausserhalb der Heilsgeschichte, sondern ist in besonderer Weise in das Pascha-Mysterium einbezogen. Unter dem Kreuz ist sie die Zeugin, die „steht“ (Joh 19,25) und so in unerschütterlicher Treue verbunden bleibt.
Die sieben Schmerzen
Die kirchliche Tradition hat die Leiden Mariens in sieben markante Stationen geordnet:
- Die Weissagung Simeons im Tempel (Lk 2,25–35).
- Die Flucht nach Ägypten (Mt 2,13–15).
- Das dreitägige Suchen des zwölfjährigen Jesus im Tempel (Lk 2,41–51).
- Die Begegnung Mariens mit Jesus auf dem Kreuzweg (vgl. Lk 23,27–31).
- Das Ausharren unter dem Kreuz (Joh 19,25–27).
- Die Abnahme des Leichnams Jesu (vgl. Joh 19,38–40).
- Die Grablegung Jesu (Lk 23,55–56).
Diese „sieben Schmerzen“ sind nicht bloss historische Episoden, sondern Ausdruck einer fortschreitenden Teilnahme am Heilswerk des Sohnes, die in der Passion ihre Vollendung findet.
Theologische Bedeutung
Maria ist nicht lediglich Zuschauerin des Leidens Jesu, sondern in ihrer mütterlichen Berufung innerlich mit dem Opfer Christi verbunden. Die Kirche bezeichnet sie daher als „Miterlöserin“ in abgeleitetem Sinn: nicht weil sie Christus etwas hinzufügen würde, sondern weil sie in einzigartiger Weise an seinem Opfer teilhat. Sie leidet nicht aus eigenem Antrieb, sondern durch die vollkommen passive und zugleich gläubige Hingabe an den göttlichen Heilswillen.
In dieser Teilnahme wird Maria zur Königin der Märtyrer, da sie das grösste Martyrium erlitten hat: das Mitleiden im Herzen, das alles körperliche Leiden übersteigt. So zeigt sich, dass das Heilsgeschehen nicht allein eine äussere Tat Christi ist, sondern auch eine Einbeziehung des menschlichen Herzens in das göttliche Erlösungswerk.
Liturgische Verankerung
Die Feier des Gedächtnisses der Schmerzen Mariens entwickelte sich im Mittelalter durch die Spiritualität der Serviten und wurde 1817 von Papst Pius VII. für die Gesamtkirche eingeführt. Papst Pius X. legte das Fest endgültig auf den 15. September, den Tag nach der Kreuzerhöhung.
Die liturgischen Texte verweisen auf das Mit-Leiden Mariens unter dem Kreuz und betonen die Erfüllung der Weissagung Simeons. Die Verehrung Mariens in ihrem Schmerz ist daher nicht sentimentale Erinnerung, sondern Ausdruck des Glaubens an ihre einzigartige Verbindung mit Christus im Geheimnis der Erlösung.

