Die Lage auf Kuba spitzt sich dramatisch zu. Der Vorsitzende der kubanischen Bischofskonferenz, Bischof Marcelo Arturo González Amador aus Santa Clara, spricht von Angst, Hoffnungslosigkeit und wachsender Verzweiflung. Gegenüber KIRCHE IN NOT (ACN) erklärte er: „Es ist der schwierigste und traurigste Moment in der Geschichte unseres Volkes, an den ich mich erinnern kann. Alles ist ein Kampf ums Überleben.“

Bildquelle: Bischof Marcelo Arturo González Amador aus Santa Clara im Gespräch mit Gläubigen.
(Bild: KIRCHE IN NOT (ACN)
Besonders arme Menschen, ältere Personen und alleinerziehende Mütter leiden unter der schweren Krise. In vielen Pfarreien suchen Menschen Hilfe, weil sie tagelang nichts gegessen haben. Hinzu kommen ständige Stromausfälle, durch die Lebensmittel verderben und der Alltag zusätzlich erschwert wird.
Es fehlt an allem
Auch das Gesundheitssystem steht vielerorts vor dem Zusammenbruch. In manchen Spitälern können laut dem Bischof keine Operationen mehr durchgeführt werden, weil Wasser, Medikamente und selbst einfachste medizinische Hilfsmittel fehlen. Familien versuchen verzweifelt, Medikamente oder Operationsmaterial über Angehörige im Ausland zu beschaffen.

Bildquelle: Ein Gottesdienst in einer Kirche ohne Dach im Bistum Holguin.
(Bild: KIRCHE IN NOT (ACN)
Neben der materiellen Not wächst auch die Angst in der Bevölkerung. „Die Angst regiert“, sagt González. Viele Menschen hätten Angst vor einer weiteren Eskalation der Lage und sogar vor einem möglichen Krieg mit den Vereinigten Staaten. „Die Angst vor einem Krieg ist enorm“, betont der Bischof.
Emigrationswelle
Gleichzeitig verlassen immer mehr Menschen das Land. „Wer auswandern kann, tut es“, erklärt González Amador. Zurück bleiben oft ältere Menschen ohne ausreichende Versorgung und mit minimalen Renten. Auch Kriminalität und Unsicherheit nehmen spürbar zu.
Trotz allem bleibt die Kirche an der Seite der Menschen. Ordensschwestern, Priester und engagierte Laien organisieren Suppenküchen, bringen Essen zu Kranken und älteren Menschen und teilen das Wenige, das vorhanden ist. „Die Menschen sehen, dass die Kirche gibt, was sie hat“, sagt der Bischof.

Bildquelle: Eine Ordensschwester unterwegs auf Kuba. Aktuell gibt es praktisch kein Benzin.
(Bild: KIRCHE IN NOT (ACN)
Doch auch die Kirche selbst leidet unter den schwierigen Bedingungen. Hohe Preise, Treibstoffmangel und fehlende Ressourcen erschweren die Seelsorge massiv. Dennoch bleibt sie präsent. „Auch wenn viele die Insel verlassen, bleibt die Kirche“, betont der Vorsitzende der Bischofskonferenz.

Bildquelle: Vorbereitete Mahlzeiten in einer Pfarrei auf Kuba. Es fehlt auch an Essen
(Bild: KIRCHE IN NOT (ACN)
Quelle: Kirche in Not Schweiz
