Bern (novaradio.ch): Im Evangelium sagt uns Jesus, dass wir an den Früchten erkennen werden, wer Gottes Willen tatsächlich erfüllt. Für mich war dies immer ein sehr beeindruckender und mich nachdenklich stimmender Satz. Ein nachdenklich stimmender Satz deswegen, weil man oft die Früchte des eigenen Tuns nicht sieht. Oft machen wir viele Dinge im Alltag, von denen wir glauben, dass sie Gottes Willen entsprechen, und trotzdem sehen wir nicht, dass unser Handeln die kleine Welt, in der wir leben, verändert. Es ist wichtig, diese Botschaft Jesu anzunehmen, ohne deswegen zu verzweifeln. Gottes Pläne sind langfristiger als unser Denken. Es geht nicht darum, dass eine Handlung von uns unmittelbar eine Wirkung erzielt, sondern um die langfristigen Folgen. Wenn wir beispielsweise einem Menschen Mut zusprechen, sein Leben zu verändern und ihm immer wieder helfen, wenn er Fehler gemacht hat, dann dürfen wir nicht sofort erwarten, dass unsere Wünsche sich erfüllen. Noch schlimmer wäre es, wenn wir aufgrund der fehlenden Änderung des Verhaltens unsere Handlungen einstellen würden, weil wir glauben, sie entsprächen nicht dem Willen Gottes. Oft ist Geduld gefragt, wenn es um die Früchte geht, die Gott uns verheisst. Auf der anderen Seite dürfen wir aber auch nicht der Versuchung verfallen, falsches Handeln zu rechtfertigen, indem wir stur unseren Weg gehen, obwohl klar ist, dass dieser keine Früchte zeitigt. Ich denke hier beispielsweise an viele Theologen und Seelsorger, die in den letzten Jahren die Sakramente aus den Kirchen verdrängt haben, um sich selbst zu profilieren. Obwohl sich die Kirchenbänke leeren, verharren sie in ihrer Meinung, dass sie das Richtige tun. Ich möchte mit diesen Worten niemanden verurteilen, aber es ist wichtig, dass wir in der Kirche auch realisieren, wenn Gott uns durch fehlende Früchte auf den richtigen Weg zurückbringen möchte. In den Pfarreien, in denen die Eucharistie und die Sakramente im Zentrum stehen, gibt es ein Aufblühen des kirchlichen Lebens, was uns darin bestärken sollte, die Lehre der Katholischen Kirche nicht zu verändern, sondern sie zu bewahren und den Menschen näherzubringen. Das heisst nicht, dass in der Verkündigung alles beim Alten bleiben muss. Natürlich müssen wir die neuen Kommunikationsmittel nutzen, um die Frohe Botschaft zu verbreiten. Auch sonst darf sich der Katholik nicht von der Welt abschotten, sondern in der Welt leben und wirken. Wir müssen Salz und Licht der Welt sein. Wenn Jesus von uns Früchte verlangt, ist dies vor allem auch eine

Aufforderung, aktiv zu sein und nicht nur zu warten, bis Gott die Probleme dieser Welt löst. Durch den freien Willen, den Gott uns gegeben hat, können wir uns jeden Tag für das Gute entscheiden und mit unserem Handeln dazu beitragen. Seien wir daher aktive Christen, die versuchen, das Reich Gottes auf Erden zu verwirklichen. DR

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