Bern (novaradio.ch): Gestern war ich auf Schulreise mit meiner und einer anderen Klasse. Wir haben das Kloster Königsfelden angeschaut, das Amphitheater in Windisch und das Schloss Habsburg. Auf dem Rückweg sind wir drei bis vier Kilometer vom Schloss Habsburg zum Bahnhof Brugg marschiert. Eigentlich keine grosse Strecke, aber die Lust von pubertierenden Jugendlichen, 40-60 Minuten zu wandern, hält sich in ganz engen Grenzen. Ein Bus ist an uns vorbeigefahren und die Jugendlichen haben natürlich lautstark gerufen, er solle anhalten und sie mitnehmen. Ich habe darüber nur gelacht. Dann passierte etwas, was mich sehr überraschte. Als wir auf dem halben Weg waren, sahen wir einen Bus, der in unsere Richtung fuhr. Er stoppte und machte die Türen auf. Der Busfahrer hatte Mitleid mit den Schülerinnen und Schüler und wollte uns zum Bahnhof Brugg fahren, damit wir nicht zu Fuss gehen müssen. Als ich den Busfahrer fragte, ob er denn die Zeit dazu habe, antwortete er mir, dass er eine Stunde Mittagspause habe und daher über die nötige Zeit verfüge. Unglaublich. Ein fremder Busfahrer, der gebrochen Deutsch redete, opferte einen Teil seiner Mittagspause, um Jugendlichen eine Freude zu machen. Ich habe allen Schülerinnen und Schülern gesagt, dass sie sich bedanken sollten. Am nächsten Tag habe ich dann noch einmal wiederholt, was für ein Held dieser Mann ist, der mit grosser Bescheidenheit jeden Dank abgelehnt hat, obwohl er einen solchen Akt der Nächstenliebe vollbrachte.
Ich weiss nicht, ob der Busfahrer ein Christ war. Er kam sicherlich von einem fremden Land. Unabhängig davon, ob er Christ war oder nicht, so hat er christlich gehandelt. Auch Jesus erwartet von uns, dass wir ohne grossen Rummel unseren Mitmenschen dienen. Das Beispiel dieses Busfahrers lehrt mich, dass wir immer mit offenen Augen durch die Welt gehen müssen und die Not unserer Mitmenschen sehen müssen. Auch wenn die Not meiner Schülerinnen und Schüler nicht so gross war, da sie den Marsch zum Bahnhof sicherlich geschafft hätten, so war dies ein sehr schönes Zeichen der Nächstenliebe, was allen Jugendlichen und auch mir ein Vorbild sein sollte. DR
