Bern (novaradio.ch): Diese Woche hatte ich mit engagierten Katholiken eine Diskussion über ein Konzert, an welchem christliche Symbole verwendet wurden. Wir alle waren der Meinung, dass man einen Musiker nicht sofort als christlich bezeichnen kann, nur weil er religiöse Inhalte thematisiert. Man redet oft darüber, dass man den christlichen Glauben nicht verwässern darf, was sicherlich stimmt. Ebenfalls ist aber auch falsch, Christus für eine eigene Sache zu vereinnahmen. Mich stört es beispielsweise sehr, wenn man Nationalität und Christentum gleichsetzt. Der katholische Glaube ist nicht an eine Nation gebunden, sondern ist weltumspannend. Auch darf der katholische Glaube nicht von einer bestimmten Politik vereinnahmt werden. Ich glaube, dass es in fast allen Parteien Menschen gibt, die versuchen, dem Evangelium zu folgen, genauso wie es in allen Parteien Menschen gibt, welche Jesus ablehnen. Darum bin ich immer sehr skeptisch, wenn prominente Persönlichkeiten zu stark die Religion in den Vordergrund rücken. Gott ist kein Marketing-Effekt, ER ist der Herr. Alle christlichen Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sollten sich daher demütig zu Gott bekennen und auch betonen, dass Gott nicht für ihre Schwächen und Fehler verantwortlich ist, sondern sie selbst. Ansonsten kann es leicht sein, dass Menschen, die sich für den Glauben interessieren, durch das Fehlverhalten von christlichen Prominenten abgeschreckt werden.
Auch wir, die wir weniger prominent sind, sollten immer darauf achten, wie wir uns gegenüber unseren Mitmenschen als Christen positionieren. Wenn wir vor allem durch Worte und Symbole auffallen wollen, laufen wir Gefahr, nur reine Showeffekte zu liefern, ohne einen tiefen Eindruck bei unseren Nächsten zu hinterlassen. Natürlich ist es auch wichtig, über den Glauben zu reden und sich zu Christus zu bekennen. Vergessen wir dabei aber nie, dass Worte, denen keine Taten folgen, oft das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich hätten bewirken sollen. Vereinnahmen wir daher nicht Christus für uns, sondern dienen wir IHM, der uns am Kreuz erlöst hat, indem wir jeden Tag unser eigenes Kreuz auf uns nehmen und IHM in Akten der Nächstenliebe folgen. DR
