Bern (novaradio.ch): Wir sind in der Karwoche und steuern auf das grösste Fest der Christenheit zu. Viele Menschen freuen sich auf Ostern, vergessen aber dabei, dass es kein Ostern ohne den Karfreitag gibt. Ostern dürfen wir deshalb feiern, weil Jesus zuerst für uns ans Kreuz geschlagen und getötet wurde. Als Katholiken sollten wir daher diese Seite der Heilsgeschichte nicht vergessen, sondern uns immer vergegenwärtigen, dass das Leid und die Freude zwei Seiten einer Medaille sind. Ich möchte alle Leserinnen und Leser heute ermuntern, die nächsten Tage speziell auch den Kreuzweg zu beten. Die 14 Stationen des Kreuzwegs sind eine sehr gute Möglichkeit, sich daran zu erinnern, was Jesus für uns geleistet hat, um uns zu erlösen. Heutzutage wird sehr oft betont, wie Jesus uns alle liebt. Dies stimmt absolut. Dennoch sollten wir auch immer wieder betonen, wie gross die Leiden waren, die Jesus auf sich nehmen musste. Wie schwer musste es gewesen sein, dreimal zu fallen. Wie schwer musste es gewesen sein, seine Mutter zu sehen und zu spüren, wie sehr sie unter dieser Kreuzigung ihres geliebten Sohnes leidet. Wie schwer musste es sein, vom eigenen Volk verhöhnt zu werden. Wie schwer musste es sein, der Kleider beraubt zu werden. Wie schwer musste es sein, ans Kreuz genagelt zu werden. Wie schwer musste es sein, als Gottes Sohn die Gottverlassenheit spüren zu müssen. Um uns Menschen vor der Gottverlassenheit zu retten, nahm Jesus sogar dieses allergrösste Leiden an, nur damit wir gerettet werden.
Natürlich können wir als Menschen nicht diese gleichen Lasten auf uns nehmen wie Jesus. Aber wir sollten uns in diesen Tagen bewusst werden, dass das Kreuz auch zu unserem Leben gehört und es kein Heil gibt ohne dieses Kreuz. Wir müssen bereit sein, die kleinen und auch die grösseren Leiden, die Gott uns zumutet, mit grosser Würde und Liebe zu tragen, auch wenn wir oft den Sinn dahinter nicht verstehen. Oft vergehen Jahre, bis wir verstehen, weshalb Gott etwas zugelassen hat. Ich bin jedoch überzeugt, dass jedes vermeintliche Unglück einen Sinn hat und später dazu führen wird, dass wir noch mehr Freude und Glück verspüren dürfen. Wer von den damals Anwesenden hätte sich vorstellen können, dass durch diese blutige Kreuzigung eine Gemeinschaft gebildet wird, die heute mehr als zwei Milliarden Gläubige hat? Wer hätte sich vorstellen können, dass auch heute, 2000 Jahre nach Jesu Tod, Millionen von Menschen für diesen Jesus
selbst in den Tod gehen würden, da sie so überzeugt sind davon, dass er die Wahrheit, der Weg und das Leben ist?
Haben wir keine Angst vor dem Kreuz. Im Kreuz ist das Heil und durch Kreuz und Tod werden wir ins Paradies gelangen, wo wir in alle Ewigkeit Gott schauen dürfen. Ich wünsche Ihnen allen einen besinnlichen Karfreitag und gesegnete Ostern. DR
