Bern (novaradio.ch): Ich bin diese Woche mit meinen Schülerinnen und Schülern spazieren gegangen, was wir fast jede Woche tun. Unser Weg führt uns immer an der katholischen Kirche vorbei. Seit drei Wochen wollen einige Schülerinnen in die Kirche rein, um eine Kerze anzuzünden, was ich sehr schön finde. Ich gehe dann auch immer kurz rein und mache das Kreuzzeichen, um Jesus im Tabernakel die Ehre zu erweisen. Meine Klasse, die aus Katholiken, Moslems und auch einer Hinduistin besteht, weiss, dass ich praktizierender Katholik bin. Alle Schülerinnen und Schüler respektieren dies sehr.

Als wir dann unseren Spaziergang fortsetzten, habe ich einen italienischen Schüler gefragt, ob er in dieser Kirche die Erstkommunion gemacht habe. Er bejahte dies. Anschliessend habe ich ihn gefragt, ob er nun in den Firmkurs gehe. Der Junge sagt immer seine Meinung, so auch bei dieser Gelegenheit. Er sagte sofort, dass er nicht gehe, da man sowieso nichts im Religionsunterricht lerne. Auch die Mädchen haben dies dann bestätigt, obwohl sie weiterhin zum Firmkurs gehen. Sie haben erzählt, dass die Religionslehrerin nie über Gott oder Jesus rede, sondern dass immer nur gemalt wurde und weiterhin wird. Ich musste dann lachen und ihnen sagen, dass ich ihnen glaube, dass sie wenig im Religionsunterricht gelernt haben, da dies nicht nur in ihrer Kirchgemeinde, sondern in den meisten Kirchgemeinden der Fall ist.

Ich erzähle diese Geschichte deshalb, weil sie aufzeigt, wie wir in der Schweizer Kirche selbst daran schuld sind, dass Kinder und Jugendliche den christlichen Glauben nicht kennen. Der Religionsunterricht in den meisten Pfarreien lehrt die Kinder nichts über den katholischen Glauben. Auch wenn es selbstverständlich sehr gute Religionslehrerinnen und Religionslehrer gibt, so ist es meistens so, dass man in den Pfarreien den Glauben nicht richtig vermittelt. Der Glaube fällt aber nicht einfach so vom Himmel, sondern man muss ihn aktiv weitergeben. Ich möchte damit alle lehramtstreuen Katholiken auffordern, sich dafür einzusetzen, dass der Religionsunterricht in den Pfarreien so gestaltet wird, dass er den Kindern und Jugendlichen die Grundlagen des katholischen Glaubens lehrt. Natürlich garantiert dies nicht, dass die Jugendlichen später praktizierende Katholiken werden. Aber es schafft zumindest die Voraussetzungen dafür, dass ein junger Mensch sich für den Glauben

entscheiden kann. Der momentane Zustand ist in den Pfarreien unhaltbar und kann von glaubenstreuen Christen nicht geduldet werden. Setzen wir uns daher für eine authentische Kirche ein, welche die junge Generation nicht vernachlässigt, sondern den jungen Menschen die frohe Botschaft mit Freude verkündet. DR

Von admin