Bern (novaradio.ch): An diesem Sonntag feiern wir den Weissen Sonntag und den Sonntag der Barmherzigkeit. Für mich ist der Sonntag der Barmherzigkeit ein ganz wichtiges Ereignis im Kirchenjahr, auf das ich mich stets mit der Novene zur Göttlichen Barmherzigkeit, wie sie uns von der Heiligen Schwestern Faustyna gelehrt wurde, vorbereite. Die Barmherzigkeit Gottes ist für unsere Welt ein fester Anker, an dem wir uns festhalten können. Es ist wichtig, sich immer vor Augen zu führen, dass Gottes Barmherzigkeit jedem Menschen gilt, dies ohne Ausnahme. Der Glaube an die unendliche Barmherzigkeit Gottes bedeutet nicht, dass wir uns erlauben dürfen, jede Sünde zu begehen, um dann darauf zu hoffen, dass Gott uns verzeiht. Diese Unehrlichkeit würde unserer Seele schaden und uns von Gott entfernen. Der Glaube an die unendliche Barmherzigkeit Gottes bedeutet, dass wir uns sicher sein dürfen, dass Gott uns immer wieder eine Chance gibt, uns zu verbessern, wenn wir gefallen sind. Die Einsicht, dass Gottes grösste Eigenschaft seine Barmherzigkeit ist, hilft uns auch, demütig zu sein. Denn wenn jemand behauptet, er brauche die Barmherzigkeit Gottes nicht, lebt er in einer Lüge. Nur ein Christ voller Demut sieht ein, wie jeder Mensch, auch der frommste, immer wieder auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen ist.

Lassen Sie uns daher diesen grossen Festtag ehren, indem wir immer wieder unser Leben auf die Barmherzigkeit Gottes aufbauen. Damit wir dies würdig und in einer ehrlichen Weise tun können, ist es auch wichtig, dass wir selbst ein Leben führen, in welchem die Barmherzigkeit zu unseren Mitmenschen eine zentrale Stelle einnimmt. Wenn wir darauf hoffen, dass Gott gegenüber uns barmherzig handelt, sollten auch wir barmherzig zu unseren Mitmenschen sein. Für mich beinhaltet dies, dass wir unsere Mitmenschen nicht ständig an ihren Fehlern und Sünden messen, sondern daran, dass sie ein Geschöpf Gottes sind. Es gibt verschiedene Werke der Barmherzigkeit, die wir an unseren Mitmenschen leisten können. Neben den leiblichen sind dies auch die geistlichen. Für mich ist das Wichtigste, dass unsere Barmherzigkeit nie von einer Überheblichkeit getragen wird, sondern immer aus der Erkenntnis entstammt, dass wir alle Gottes Kinder sind und niemand von uns wichtiger ist als sein Mitmensch. Wenn wir von dieser Demut gegenüber Gott und unseren Mitmenschen unseren Alltag leben,

werden wir zu wahren Zeugen der Barmherzigkeit Gottes und können damit die Welt zu Christus hinführen. Seien wir daher aufrichtige Apostel der Barmherzigkeit Gottes. DR

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