Bern (novaradio.ch): Am 15. September feierte die Kirche das Gedächtnis der Schmerzen Mariens. Maria, die ohne Erbsünde empfangen wurde, hatte viele Freuden in ihrem Leben, da sie den Erlöser zur Welt brachte. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass das Leben Mariens auch von Schmerzen geprägt war. Drei Schmerzen betreffen dabei die Kindheit Jesu, vier seinen Leidensweg. Für mich ist dieses Fest deshalb so wichtig, da es uns aufzeigt, dass der Schmerz zum Leben gehört. Unsere heutige Gesellschaft hat sich auf die Fahnen geschrieben, eine reine Spassgesellschaft zu sein, in der die Wörter Leiden und Schmerz nicht vorkommen sollen. Und trotzdem ist es gerade in dieser Spassgesellschaft so, dass sehr viele Menschen psychisch leiden. Gerade deswegen, weil viele Menschen das Gefühl haben, dass das Leid etwas Unnatürliches und Unschönes ist, schämen sie sich, wenn sie Leid empfinden und fallen dann in ein tiefes Loch, aus welchem sie nicht herauskommen können. Ich bin überzeugt, dass der Hauptgrund dafür ist, dass die Kirche und der katholische Glaube einen Bedeutungsverlust erlitten haben. Als Christen schämen wir uns nicht dafür, krank und unvollkommen zu sein. Wir schämen uns auch nicht davor zu versagen. Wir wissen, dass Jesus Christus, unser Heiland, die schlimmste Pein ertragen musste. Daher dürfen auch wir unsere Krankheiten und Unvollkommenheiten vor Gott bringen. Auch unsere Sünden dürfen wir vor Gott bringen. Zu fallen ist nicht schlimm. Schlimm ist es, nicht daran zu glauben, dass Gott auch den grössten Sünder zur Heiligkeit berufen kann.
Ich möchte mit dieser Kolumne alle Leser dazu aufrufen, sich nicht ihrer Schmerzen zu schämen. Wenn die Kirche die Schmerzen Mariens feiert, dann dürfen auch wir alle leiblichen und seelischen Schmerzen mit Stolz tragen. Traurig zu sein bedeutet nicht, von Gott verworfen zu sein. Ganz im Gegenteil. Die Trauer ist manchmal notwendig, um die Freude noch intensiver zu erleben. Denken wir daher bei jedem Leid, welches wir erfahren, an die Leiden Mariens und Jesu und seien wir uns bewusst, wie wichtig auch die negativen Seiten im Leben sind, um zur Erlösung zu gelangen. Dass es kein Leben ohne Leid gibt, zeigt das Beispiel unserer heutigen säkularen Zeit. Man kann das Leid verdrängen, es bleibt jedoch präsent. Der Christ verdrängt das Leid nicht, sondern weiss, dass Gott dieses schlussendlich in Freude verwandeln wird. DR
