Bern (novaradio.ch): Ein Priester, der vor einigen Monaten gestorben ist und den ich sehr geschätzt habe, hat es einmal in einem Gespräch auf den Punkt gebracht. Ganz unabhängig von allen ideologischen Fragen in der Kirche, ganz unabhängig davon, ob sich jemand als rechts oder links, konservativ oder progressiv sieht, ist es zentral, eine Beziehung zu Christus aufzubauen. Woran es heute in der Kirche in der Deutschschweiz fehlt, ist der Aufbau und die Pflege dieser Beziehung zu Christus. Wenn wir daher eine Neuevangelisierung anstreben, um die Kirche wieder aufblühen zu lassen, müssen wir bestrebt sein, den Menschen Jesus als ihren Retter und Freund vorzustellen. Die Kirche ist kein abstraktes Gebilde, sondern der Versuch, Christus nachzufolgen. Dies bedeutet konkret, dass ich mein Leben IHM anvertraue und hoffe, dass ER mich führt und lenkt. Die Sakramente, welche die Kirche spendet, sind Heilmittel auf diesem Weg, die uns stärken und uns aufzeigen, wie sehr uns Gott liebt. Es ist wichtig, im Alltag immer wieder das Gespräch zu Gott zu suchen und Jesus zu bitten, uns auch in den kleinen Dingen zu helfen und beizustehen. Viele Menschen machen den Fehler, erst dann Gott aufzusuchen, wenn es ihnen sehr schlecht geht. Dies ist verständlich und auch menschlich, aber ein solches Verhalten baut keine wahre Beziehung zu Christus auf. Es wäre so, wie wenn ich einen Freund immer nur dann anrufen würde, wenn es mir sehr schlecht geht, das ganze restliche Jahr aber nichts von ihm wissen möchte. Natürlich steht Gott über solchen Dingen und ist nicht wie ein Mensch gekränkt, wenn wir uns so verhalten würden. Viele Menschen, die sonst nicht beten, erfahren in Notsituationen Hilfe von Gott und finden dadurch zurück zum Glauben. Gott ist ein barmherziger Gott. Trotzdem sollten wir ein solches Verhalten nicht an den Tag legen, da es ein falsches Gottesbild widerspiegelt. Gott erfüllt unser Leben auch, wenn es uns gut geht, nicht nur in Krisensituationen. Wenn wir ein erfülltes Leben wünschen, dann sollten wir ständig versuchen, mit Jesus eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Eine solch starke Beziehung hält allen Stürme mit allen Glaubenszweifeln stand.

Versuchen wir Katholiken zu sein, die in allererster Linie Christus ins Zentrum unseres Lebens stellen. Dadurch werden wir ein Leben in Fülle führen und bereits in diesem Leben die Freude spüren, die wir später in der Ewigkeit bei Gott haben werden. DR

Von admin