Bern (novaradio.ch): Ich bin heute aus den Ferien zurückgekehrt. Ich war in der Heimat meines Vaters, der ein Ungare aus Serbien ist. Selbstverständlich bin ich in Becej, der Heimatstadt meines Vaters, auch in die Messe gegangen. Sehr beeindruckt bin ich jedes Mal von der katholischen Kirche in Serbien, die in der Minderheit ist, jedoch eine rege pastorale Tätigkeit entfaltet. Es gibt regelmässig Eucharistiefeiern, Gebete und auch Weiterbildungen. Man muss hierbei ebenfalls bedenken, dass Serbien früher zum sozialistischen Jugoslawien gehörte, in welchem die Religion zwar toleriert, aber vom Staate nicht gerne gesehen wurde. Trotzdem ist die katholische Kirche in Serbien viel aktiver als diejenige in der Schweiz, in der die Kirche sogar vom Staat Unterstützung erhält, da in den meisten Kantonen Kirchensteuern erhoben werden und die Kirche daher über viel Geld verfügt. Es gibt sicherlich viele Erklärungsansätze dafür, weshalb der Glaube in Ländern wie Serbien stärker praktiziert wird als in der Schweiz. Für mich ist es die pastorale Nähe, die der ausschlaggebende Grund ist. Die Priester im ehemaligen Jugoslawien verfügten nicht über staatliche Mittel, um ihre Botschaft an die Frau und an den Mann zu bringen. Daher waren sie gezwungen, demütig zu sein und zu den Menschen zu gehen, anstatt nur darauf zu warten, dass die Menschen zu ihnen kommen. Auch heute noch wird diese pastorale Nähe gelebt. In unseren Deutschschweizer Bistümern steht zwar in den Konzepten, welche die Pastoralräume herausbringen, dass man pastorale Nähe leben möchte, die Praxis ist jedoch weit davon entfernt. Eine Kirche, die keine Nähe zu den Menschen sucht, ist aber keine Kirche. Jesus ist zu den Menschen gegangen und hat sie aufgesucht. Jesus war kein sitzender Messias. Wenn wir die Kirche wieder aufblühen lassen wollen, müssen wir diese Botschaft lernen und beherzigen. Die Kirche muss zu den Menschen. Versuchen auch wir in unserem privaten Leben, auch wenn wir keine Priester sind, offen zu sein und den Glauben an die entferntesten Ecken der Welt zu tragen. Diese entferntesten Ecken müssen keine geographisch exotischen Orte sein, sondern können sogar ganz in unserer Nähe liegen. Fangen wir bei den Menschen an, die von der Frohen Botschaft noch nie etwas gehört haben. Erzählen wir von Jesus und leben wir authentisch das Evangelium. DR
