Bern (novaradio.ch): Es war der ausdrückliche Wunsch Jesu, dass seine Jünger und Nachfolger eine Einheit darstellen. Jesus hat nicht mehrere Kirchen gegründet, sondern nur eine. Daher ist es unsere Pflicht, alles zu tun, um diese Einheit zu wahren und zu fördern. Die Einheit bedeutet nicht, dass alle Christen gleich denken und gleich handeln. Natürlich gibt es auch Fragen, bei denen Katholiken unterschiedlicher Meinung sein können. Wichtig ist jedoch, bei allen Meinungsunterschieden die wichtigen Elemente unseres Glaubens zu betonen. Wir alle glauben an Jesus Christus, der Gott und Mensch ist, und wir alle glauben an die Sakramente der Kirche und daran, dass Jesus Petrus und seine Nachfolger berufen hat, die Kirche zu führen. Jeder Katholik sollte sich die Frage stellen, was er oder sie tun kann, um der Einheit zu dienen. Persönlich glaube ich, dass es wichtig ist, bei Fragen, die nicht zentral für den Glauben sind, der Meinung anderer Katholiken zuzuhören und nicht zu versuchen, seine eigene Meinung durchzusetzen. Der Einheit zu dienen verlangt, mehr zuzuhören als die eigene Auffassung von Kirche zu verkünden. Natürlich muss man beim Zuhören nicht zum Schluss kommen, dass das Gegenüber recht hat, aber durch das Zuhören zeigt man seinen Respekt und seine Achtung vor dem anderen Menschen. Natürlich gibt es auch Situationen, wo man vom Zuhören in die Gegenrede gelangen muss. Wenn ein anderer Katholik Dinge behauptet, die fundamental dem katholischen Glauben widersprechen, verlangt die Liebe zur Einheit ein entschiedenes Eintreten für die katholischen Wahrheiten. Daher ist das gesunde Mass zwischen Eintreten für die Wahrheit und Toleranz gegenüber anderen Meinungen die richtige Mischung, um das Ziel der Einheit zu erreichen. Und das Wichtigste hat Jesus beim letzten Abendmahl mitgeteilt. Die Welt soll die Jünger Jesu, also seine Kirche, daran erkennen, dass wir uns gegenseitig lieben. Wenn die Nächstenliebe nicht da ist, gibt es keine Einheit. Einheit gibt es nur in Liebe. Versuchen wir also, der Einheit zu dienen, indem wir uns weniger wichtig nehmen, dafür aber unsere Mitmenschen lieben und ihre Meinung achten. DR
