Bern (novaradio.ch): In vielen politischen Diskussionen, wenn es um Werte oder Kultur geht, betonen gerade konservative Politiker ihre Zugehörigkeit zum Christentum. Oft geschieht diese Betonung sehr kämpferisch, um sich von anderen Religionen oder Menschen mit anderem kulturellem Hintergrund abzugrenzen. Meist sind die Politikerinnen und Politiker, die das Christentum als Waffe gebrauchen, selbst nicht wirklich religiös. Es ist mehr ein Kultur- bzw. Papierchristentum, welches sie ins Feld führen, um bei Wählern Stimmen zu fangen. Ich bin äusserst skeptisch, was diese Art von Papierchristentum anbelangt. Für mich gibt es keine Papierchristen, sondern nur Menschen, die ehrlich versuchen, Jesus nachzufolgen und solche, die dies nicht versuchen. Etwas dazwischen gibt es nicht. Ich lehne es ab, wenn Jesus für politische oder ökonomische Zwecke missbraucht wird. Leider ist es auch bei den normalen Getauften, die über wenig Macht verfügen, oft so, dass sie lieber ein Papierchristentum führen als wirklich Jesus nachzufolgen. Bei diesen Menschen sind es nicht politische oder ökonomische Machtinteressen, die entscheidend sind, sondern das eigene Gewissen, welches beruhigt werden soll. Ich habe bei vielen Katholiken die Haltung angetroffen, dass es einfach dazugehört, Christ zu sein, auch wenn man nicht wirklich praktizierend ist. Wir müssen uns bewusst sein, dass die Nachfolge Jesu eine grosse Ernsthaftigkeit verlangt, bei der wir aktiv handeln müssen. Die Zugehörigkeit zu Christus, so sagt uns auch Jesus im Evangelium, kann nicht nur durch Lippenbekenntnisse erfüllt werden. Wenn heute das Christentum in der Schweiz zurückgeht und immer weniger Menschen an Jesus Christus glauben, dann liegt dies vor allem auch daran, dass viele Gläubige ihr Christentum nicht authentisch und glaubwürdig leben. Es ist nicht attraktiv, einem Glauben anzugehören, der nicht Menschen hervorbringt, die mit voller Überzeugung im Alltag Christ sind. Es ist daher nicht verwunderlich, dass das Interesse am Christentum schwindet. Es braucht daher mehr Christsein aus dem Herzen und weniger Christsein auf dem Papier. Versuchen wir daher, uns neu zu ermutigen, mehr authentisches Christentum im Alltag zu wagen. Dies ist nicht nur für unser Seelenheil wichtig, sondern auch für das Seelenheil unserer Mitmenschen, die dadurch erkennen werden, wie schön und wahr der christliche Glaube ist. DR

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