Bern (novaradio.ch): Als Katholik ist mir klar, dass es nicht einfach ist, Priester oder Bischof in der heutigen Gesellschaft zu sein. Ich gehöre auch nicht zu den Katholiken, die von den Bischöfen verlangen, immer und jederzeit zu allen Fragen Stellung zu beziehen. Für mich ist es aber für die Glaubwürdigkeit der Kirche extrem wichtig, dass unsere Bischöfe bei wichtigen Fragen, welche die Moral tangieren, die kirchliche Lehre verteidigen. Wir leben in einem Land, in welchem die Abtreibung und die Sterbehilfe normal geworden sind. Hier müssten unsere Bischöfe viel lauter werden und aufzeigen, dass eine Gesellschaft, die das Leben wegschmeisst, wenn es nicht in einen bestimmten Lebensentwurf passt, unmoralisch ist.
Gestern hat die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) eine Mitteilung herausgegeben, die mich schockiert hat. Die SBK befürwortet ein Gesetz, welches die Konversionstherapien verbieten möchte. Natürlich kann man gegen gewisse Formen solcher Therapien sein, aber es ist völlig unsinnig, dass man pauschal alle Formen solcher Therapien, die Homosexuellen helfen wollen, heterosexuell zu werden, verbieten will. Noch unsinniger wird es, wenn eine Bischofskonferenz, die ja praktizierende Homosexualität aufgrund des Katechismus ablehnt, ein Verbot von Konversionstherapien begrüsst. Ist das Ziel der Kirche nicht mehr, alle Menschen davon zu überzeugen, Gottes Willen zu erfüllen? Ich möchte alle Leserinnen und Leser auffordern, an ihre Bischöfe zu schreiben und diese Mitteilung der SBK anzuprangern. Mit einer solchen Haltung machen sich die Bischöfe total unglaubwürdig und farblos. Sie folgen dem Mainstream, nur um allen zu gefallen. Wenn Jesus aber Widerspruch erfahren hat, müssen wir Katholiken auch damit rechnen. Es geht nicht darum, Homosexuelle als Menschen zu verurteilen, sondern um denen Hilfe zu ermöglichen, die dies wünschen. Niemand wird ja gezwungen, sich einer solchen Therapie zu unterziehen. Wenn die Kirche jedoch darauf verzichtet, zur Umkehr aufzurufen, ist sie nicht mehr Salz und Licht der Erde, sondern verliert jeden Geschmack und wird farblos. Daher verwundert es nicht, dass die Kirche so viele Mitglieder in der Schweiz verliert. Setzen wir uns daher wieder für eine authentische Kirche ein, die ihrem Auftrag treu bleibt. DR
