Bern (novaradio.ch): Kürzlich habe ich in einer Homilie einen Begriff gehört, der leider in unserem Bistum sehr selten gebraucht wird und auch bei mir in Vergessenheit geraten ist. Der Priester predigte über die Gewissenserforschung, die eigentlich jeden Tag stattfinden sollte. Jeder Katholik sollte sich am Abend fragen, ob er wirklich den Ansprüchen des Christentums gerecht wurde. Ich tue dies sehr selten, möchte aber damit anfangen, da ich glaube, dass es wichtig ist, jeden Tag Rechenschaft abzulegen über die guten sowie die schlechten Taten. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir einmal vor Gott stehen werden und uns für alles rechtfertigen werden müssen, was wir in unserem Leben getan haben. Natürlich dürfen wir darauf hoffen, dass Gott mit einer sehr grossen Barmherzigkeit auf unser Leben schaut und wir in IHM den Erlöser und nicht den Richter vorfinden werden. Trotzdem ist Gott jedoch auch gerecht und jede Sünde zieht eine Konsequenz nach sich. Es ist daher besser, wenn wir während unseres Lebens versuchen, die sündhaften Seiten unseres Lebens zu reflektieren und uns zu bessern. Die Gewissenserforschung hilft uns dabei. Am besten ist es, wenn wir jeden Abend, bevor wir schlafen gehen, uns kurz darüber Gedanken machen, was gut und was schlecht lief. Dabei soll das Schlechte nicht dominieren, da uns dies demotiviert. An jedem Tag schenkt uns Gott auch schöne Momente, in denen wir tugendhaft sein und wir unser Christsein aufleuchten lassen können. Bei den negativen Dingen, unseren Sünden, sollten wir den Fokus darauf legen, uns zu fragen, wie wir uns bessern können. Wir können das Geschehene nicht rückgängig machen, daher sollten wir an unseren Sünden nicht verzweifeln. Bei jeder Beichte bekennen wir Gott unsere Fehler. Wenn wir demütig sind, verzweifeln wir nicht an unseren Sünden, sondern erkennen die Tatsache, dass wir schwache Menschen sind, die stets die Barmherzigkeit Gottes benötigen. Nur hochmütige Menschen tun sich damit schwer, da sie jede Sünde als einen Makel an ihrer Perfektion sehen. Die richtige christliche Haltung ist nicht die hochmütige, sondern diejenige, welche die Fehler und Sünden einsieht und sich fragt, wie man diese in der Zukunft vermeiden kann.
Lassen Sie uns daher alle wieder vermehrt die Gewissenerforschung betreiben und dadurch zu besseren und glaubwürdigeren Christen werden. DR
