Bern (novaradio.ch): Morgen feiert die Kirche das Hochfest des Heiligen Josephs. Der Heilige Joseph hat für mich eine ganz wichtige Bedeutung, da er ein Mann voller Demut war, der sich nicht in den Vordergrund rückte, sondern seinen Pflichten mit grosser Bescheidenheit nachging. Gerade in unserer Zeit, in der jeder Mensch das Gefühl hat, er müsse sein ganzes Leben auf den sozialen Medien präsentieren, ist es wichtig, sich das Beispiel des Heiligen Josephs vor Augen zu führen. Er war ein einfacher Zimmermann, der mit Maria verlobt war. Als er merkte, dass Maria schwanger war, wollte er Maria nicht blossstellen, sondern entschied sich, seine Heimat zu verlassen. Man muss sich dies vorstellen: Nur um Maria und das werdende Kind zu schützen, wollte der Heilige Joseph seine ganze Existenz aufgeben. Welcher Christ würde dies heute machen? Meistens ist es in unserer Gesellschaft, leider auch bei den Katholiken, genau umgekehrt. Man stellt die Wichtigkeit der eigenen Existenz über diejenige des Mitmenschen. Oft denken wir, dass unsere Meinung und unsere Bedürfnisse wichtiger sind als diejenigen von anderen Personen. Vor allem dann, wenn wir das Gefühl haben, wir seien im Recht, sind wir oft sehr rücksichtslos, was die Durchsetzung unserer Interessen betrifft. Der Heilige Joseph hat völlig anders gehandelt. Er stellte das Wohl anderer Menschen über sein eigenes. Mit grossem Vertrauen auf Gott hat er dann Maria zu sich genommen, als der Engel ihm dies im Traum befahl. Dieses Gottvertrauen führte den Heiligen Joseph auch dazu, Jesus und Maria nach Ägypten zu bringen, damit sie nicht getötet werden.
Demut und Gottvertrauen. Dies sind Tugenden, die den Heiligen Joseph ausgezeichnet haben. Dies sind auch die Tugenden, welche wir in unserer Kirche heute am nötigsten brauchen. Wir führen heutzutage viele Diskussionen über die Zukunft der Kirche. Natürlich ist es wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, wie wir der Kirche in den Ländern wie der Schweiz, in denen immer weniger Menschen an Christus glauben, neues Leben einhauchen können. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass wir uns – wie der Heilige Joseph – von Gott leiten lassen müssen und wir im Alltag die ganz einfachen Dinge tun müssen, um das Reich Gottes zu verwirklichen. Wir wissen wenig über den Alltag der Heiligen Familie, aber sicherlich haben Joseph und Maria viele kleine Dinge bewältigen müssen, damit die Familie überleben konnte. Kochen, wachen und putzen gehörten dabei genauso dazu wie das gemeinsame Gebet. Auch wir sollten uns in der Demut und Bescheidenheit üben, die kleinen Aufgaben unseres Lebens voller Liebe und Gottvertrauen zu erfüllen. Bitten wir daher den Heiligen Joseph, dass er uns hilft, seine Tugenden nachzuahmen. DR
