Bern (novaradio.ch): In den Lesungen der Heiligen Messe wurde in den letzten drei Tagen das Buch Jona vorgelesen. Ich persönlich liebe diese Lesungen, da das Buch Jona für mich eine unglaubliche Tiefe enthält, die uns aufzeigt, wie Gott wirklich ist. Der Prophet Jona möchte den Willen Gottes nicht erfüllen, der grossen Stadt Ninive das Strafgericht anzukündigen. Er flieht, wird aber durch einen Sturm auf hoher See an der Flucht gehindert und dann von einem grossen Fisch verschluckt, der ihn nach drei Tagen rausspuckt. Als er der Stadt Ninive ankündigt, dass sie in 40 Tagen zerstört wird, fasten alle Menschen und Tiere der Stadt und beten zu Gott, der daraufhin die Stadt verschont. Jona ist wütend darüber, da er wusste, dass Gott die Stadt nicht zerstören wird. Gott fragt Jona, wie ER als Gott nicht traurig sein könne über die Vernichtung der von IHM erschaffenen Menschen und Tiere und es daher nicht verständlich ist, dass die Strafe nicht vollzogen wurde. Für mich hat diese Erzählung mehrere interessante Aspekte. Erstens ist hier der Prophet Jona zu nennen. Ich bewerte sein Handeln nicht negativ, sondern als Ausdruck seines grossen Vertrauens auf Gott. Er weiss, dass Gott barmherzig ist und möchte daher gar nicht erst nach Ninive gehen, um die Strafe anzukündigen. Sein Schlafen auf dem Boot, welches durch den Sturm fast untergeht, zeugt auch von diesem Vertrauen auf Gott. Zweitens ist das Verhalten der Bewohner Ninives bemerkenswert. Obwohl sie nicht zum auserwählten Volk Gottes gehören, fangen sie sofort an zu fasten und von ihren bösen Taten umzukehren. Und schlussendlich natürlich Gott selbst. Obwohl ER allmächtig ist, lässt ER sich besänftigen und verzichtet aus Liebe zu seinen Geschöpfen – übrigens auch aus Liebe zu den Tieren – auf die Zerstörung Ninives.
Diese Erzählung ist ein Beispiel dafür, wie Gott wirklich ist. Gott ist ein Gott der Barmherzigkeit, der immer bereit ist, den Menschen zu verzeihen. Wir haben einen Gott, der sich auf ein Gespräch mit uns einlässt, so wie der Prophet Jona mit IHM gesprochen hat. Gott ist nicht ein weit entfernter Gott, der einsam und allein handelt, sondern ständig darum bemüht, die Gemeinschaft mit seinen Geschöpfen zu suchen und ihnen die Chance zu geben, von ihren Irrwegen umzukehren. Gerade in der heutigen Zeit, in der viele pessimistisch auf die Welt blicken und glauben, dass das baldige Ende bevorsteht und Gott die Menschen für ihre Sünden strafen wird, müssen wir immer das Buch Jona vor Augen halten. Gott ist die Liebe und ER wird auch dem schlimmsten Sünder vergeben, wenn dieser IHN darum bittet. Haben wir daher wie der Prophet Jona das feste Vertrauen in Gottes Barmherzigkeit und seien wir immer wieder bereit, wie das Volk in Ninive von unseren bösen Taten abzulassen und zu Gott zurückzukehren. DR
