Bern (novaradio.ch): In meinen Ferien habe ich selbstverständlich auch Gottesdienste besucht und mir Kirchen angeschaut. Ich tue dies immer, wenn ich in den Ferien bin. Einerseits natürlich aus Liebe zu Gott, andererseits aber auch aus Interesse an der Seelsorge, die in anderen Ländern geleistet wird. Eine Sache, die mir immer ausserhalb der Deutschschweiz auffällt, ist die intensive Jugendarbeit, die in anderen Ländern betrieben wird. In der Deutschschweiz geschieht hier fast nichts. Es gibt zwar teilweise Jugendarbeiter in den Pfarreien, wobei diese fast nur weltliche Dinge mit den Jugendlichen unternehmen, die auch jeder Verein tun könnte. Auch gibt es eine JuBla, die aber auch fast keinen Bezug zur Kirche hat. Es ist nicht mein Wunsch, die Arbeit dieser Personen und Organisationen zu kritisieren oder ihren Beitrag zu schmälern. Als Lehrer weiss ich, wie vereinsamt die heutige Jugend ist und wie wichtig jeder Versuch ist, den Kindern und Jugendlichen Alternativen anzubieten, damit sie nicht den ganzen Tag vor dem Computer oder dem Handy sitzen. Auch werden dadurch wichtige Tugenden wie Gemeinschaftssinn gelernt. Aber eine Sache, die schmerzlich fehlt, ist der Wunsch, Heranwachsende zu Christus zu führen und eine tiefe Beziehung zu IHM aufzubauen. Hier wären Priester, Katecheten und auch Laien gefragt, diese zentrale Arbeit zu leisten. In Kroatien und Nordserbien, wo ich meine Ferien verbracht habe, waren die Kirchen voller junger Menschen, die wahrscheinlich auch noch in 20 Jahren die Heilige Messe besuchen werden. In den Schweizer Kirchen sind die wenigen Gottesdienstbesucher meist ziemlich im fortgeschrittenen Alter und man fragt sich, wer hier in 20 Jahren noch die Gottesdienste besuchen wird. Es ist an der Zeit, dass wir unsere Kräfte dafür einsetzen, jungen Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden und dafür zu sorgen, dass der Glaube weitergegeben wird. Es ist die Aufgabe jedes Einzelnen, im Alltag so zu leben, dass junge Menschen vom Glauben begeistert werden. Wichtig ist meines Erachtens vor allem das Gespräch. Man soll vom Glauben und den eigenen Glaubenserfahrungen erzählen. Hier möchte ich auch darauf aufmerksam machen, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen muss. Viele heutige Erwachsene, die gläubige Eltern hatten, haben heute ein schlechtes Verhältnis zum Glauben, da ihre Eltern zu stark den Zwang in den Vordergrund gerückt haben, an Gott glauben zu müssen. Ich habe viele solche Geschichten und Erfahrungen gerade von älteren Katholiken gehört. Persönlich halte ich dies für den falschen Weg. Der Glaube kann nicht aufgezwungen werden, sondern muss freiwillig angenommen werden. Man muss auch respektieren können, wenn ein Kind oder ein Jugendlicher zuerst ablehndend reagiert. Da Gott mit uns allen geduldig ist, sollten wir als einfache Menschen noch viel geduldiger sein. Wir sind nur Werkzeuge Gottes, nicht Gott selbst. Daher sollten wir mit Freude vom Glauben erzählen und vor allem auch im Alltag authentisch diesen Glauben leben. Dadurch werden wir es schaffen, das Interesse bei den jungen Menschen zu wecken, mehr von Gott erfahren zu wollen. Wir alle sind dabei in der Pflicht, da Gott auch die Laien berufen hat, das Evangelium in die ganze Welt zu tragen. DR

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