Bern (novaradio.ch): Am 25. März, neun Monate vor Weihnachten, feiert die Kirche das Hochfest «Verkündigung des Herrn». Der Erzengel Gabriel kommt zu Maria und erklärt ihr Gottes Heilsplan. Es ist das Ja von Maria, das ermöglicht, dass Gott in Jesus Christus Mensch wird. Für mich ist dieses Fest, welches meistens in die Fastenzeit fällt, von sehr grosser Bedeutung und auch eine Aufforderung, mich zu fragen, ob ich ein wahrhaft christliches Leben führe. Maria ist uns ein Vorbild und daher sollten wir immer bereit sein, zu Gott Ja zu sagen, wenn er von uns etwas möchte. Natürlich wird es nicht so sein wie damals in Nazareth, als der Engel zu Maria trat. Wir haben aber eine innere Stimme in uns, unser Gewissen, das uns aufzeigt, was Gottes Wünsche für unser Leben und für das Leben unserer Mitmenschen sind. Im Lärm des Alltags verpassen wir es oft, auf dieses Gewissen zu hören. Ein Nachteil des ganzen digitalen Zeitalters ist es, dass wir ständigen Ablenkungen ausgesetzt sind, die es uns oft schwer machen, diese innere Stimme wahrzunehmen. Es ist kein Zufall, dass Leonardo Da Vinci auf seinem berühmten Bild von der Verkündigung des Herrn Maria lesend darstellt, als der Engel zu ihr kommt. Wahrscheinlich liest Maria die Tora, also das Alte Testament. Der grosse italienische Renaissance-Künstler wusste, dass nur ein Mensch, der sich ganz auf Gottes Wort einlässt, in der Lage ist, Gottes Willen auch zu erfüllen. Nur ein hörender Mensch kann ein handelnder Mensch sein.

Für uns Menschen des 21. Jahrhunderts sollte dieses grosse Fest ein Ansporn sein, als Christen aktiv zu sein. Gott ist Mensch geworden, um am Kreuz für uns zu sterben, damit wir von allen Sünden erlöst werden. Es braucht aber immer wieder Menschen, die wie Maria Gott helfen, diesen Heilsplan zu verwirklichen. Wir sind aufgerufen, Gottes Gebot der Liebe im Alltag zu erfüllen. Wenn wir uns heute über den Zustand der Kirche beklagen, geben wir allzu oft den Bischöfen und den Priestern die Schuld an der jetzigen Situation. Maria war aber kein Bischof und kein Priester und wurde trotzdem mit ihrem Ja zum wichtigsten Menschen der Kirche. Niemand von uns hat eine Ausrede, um nicht an Gottes Reich mitzuarbeiten. Wir alle sind als Katholiken berufen, nicht nur zuzuschauen, wie andere für das Reich Gottes wirken, sondern selbst Ja zu Gott zu sagen. So wird dieses Fest nicht nur ein einmaliges Ereignis im Kirchenjahr, sondern das ganze Jahr hindurch wirksam.  DR

Von admin