Bern (novaradio.ch): Der Papst ist momentan auf dem afrikanischen Kontinent und besucht mehrere Staaten. Wer die Statistiken liest, erkennt schnell, dass der Katholizismus in Afrika wächst, währenddem er in Europa stagniert. Mir geht es nicht darum, Europa schlechtzureden, da auch in vielen europäischen Ländern ein Aufbruch spürbar ist. Sogar in der Deutschschweiz, in der wirklich viele innerkirchliche Probleme dem Wachstum des Glaubens schaden, merkt man, dass der Heilige Geist wirkt und Menschen ermutigt, Jesus Christus und seiner Botschaft zu folgen. Durch den Reichtum, den wir in Europa und speziell auch der Schweiz haben, glauben wir oft, dass wir anderen Kulturen überlegen sind. Oft assoziieren wir materiellen Wohlstand mit einer fortschrittlichen Gesellschaft. Diese Sichtweise blendet viele historische Tatsachen aus, die dazu führten, dass gewisse Nationen reicher und andere ärmer sind. Es blendet aber vor allem auch die Tatsache aus, dass unser Ziel als Menschen nicht die Anhäufung von Reichtum ist, sondern ein Leben in Fülle zu haben. Ohne Gott ist ein solches Leben nicht möglich. In der Schweiz sind beispielsweise sehr viele Personen von psychischen Erkrankungen und seelischen Erschöpfungszuständen betroffen, obwohl sie sich materiell mehr leisten können als Menschen in anderen Ländern. Wir müssen daher anfangen von anderen Kulturen zu lernen, anstatt uns als das Zentrum der Welt zu betrachten. Für mich ist es immer wieder traurig zu sehen, dass wir so wenig von Priestern und Laien, die aus anderen Kontinenten stammen, lernen wollen. Priester aus Afrika oder Indien, die in unseren Pfarreien im Bistum Basel wirken, werden oft nur dazu benutzt, um einige Male im Monat die Messe zu lesen (bei der sie oft nicht die Predigt halten dürfen), damit nicht nur Wortgottesdienste in den Pfarreien stattfinden. Diese Priester werden meist an den Rand des Pfarreilebens gedrückt und dürfen nur dann eine Eucharistie feiern, wenn der Gemeindeleiter oder die Gemeindeleiterin es ihnen erlaubt. Ist dies nicht eine Art Rassismus, wenn wir von Priestern, die aus blühenden Kirchen kommen, nichts lernen wollen? In der Deutschschweiz herrscht ein Hochmut, der uns immer noch glauben lässt, wir seien das Zentrum der Welt. Seien wir demütig und lernen wir von der Spiritualität von unseren Mitbrüdern und Mitschwestern, die aus anderen Ländern stammen. Setzen wir uns auch für eine Kirche ein, in der Priester unabhängig davon, woher sie stammen, zum Wohle der Pfarreien als Priester wirken

dürfen und nicht das fünfte Rad am Wagen sind. Wir müssen akzeptieren, dass wir vor allem deswegen nicht mehr das Zentrum der Weltkirche sind, da wir Gott aus unserem Zentrum herausgedrängt haben. Setzen wir IHN wieder in die Mitte unserer Herzen und bauen wir dadurch das Reich Gottes in Europa wieder auf. DR

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