Bern (novaradio.ch): Nach der Osteroktav und ihrem Abschluss mit dem Barmherzigkeitssonntag ist die Versuchung gross, wieder den Alltag einkehren zu lassen. Die Fastenzeit und Ostern sind vorbei, wir können wieder ganz normal leben – denken sich wohl viele. Daher wird Gott oft wieder vergessen und man lebt wie alle anderen Menschen, die nicht katholisch sind. Selbstverständlich gibt es in der Kirche intensivere und weniger intensivere Zeiten, was das Gebetsleben anbelangt. Es wäre aber völlig falsch, wenn wir nun nicht weiterhin aus der Freude heraus, dass Christus gekreuzigt wurde und auferstanden ist, leben würden. Ostern sollte nicht nur ein einzelner Tag für uns im Jahr sein, an welchem wir dieses grosse Heilsgeschehen feiern, sondern ein Ansporn, dieses Mysterium in unserem Leben jederzeit wirksam werden zu lassen. Wenn wir die Apostelgeschichte lesen, realisieren wir, dass die wahre Arbeit der Jünger erst nach Ostern begann. Nach Ostern mussten die Jünger für ihren Glauben einstehen und sich zu Jesus bekennen. Alle Schwierigkeiten des Lebens als Jünger Jesu kamen nach Ostern. Auch für uns fängt die wahre Arbeit erst nach Ostern an. Es ist an uns, unseren Mitmenschen zu zeigen, dass wir nicht nur Festtags-Christen sind, die an bestimmten Feiertagen uns zum Glauben bekennen, sondern auch an allen anderen 364 Tagen im Jahr Christen sind. Persönlich bin ich überzeugt, dass die Glaubwürdigkeit der Kirche an jedem einzelnen Christen hängt. Die Gründe für den Mitgliederschwund in der katholischen Kirche liegen nicht nur bei den Verantwortungsträgern in unseren Schweizer Bistümern, sondern auch bei jedem Einzelnen von uns. Wir müssen wieder die Frohe Botschaft attraktiv machen, indem wir den Menschen zeigen, wie befreiend und glücksbringend die Annahme des katholischen Glaubens ist. Wenn wir Ostern einfach zu Ende gehen lassen, ohne weiterhin aus der Kraft dieses grössten aller Feste zu leben und zu wirken, sind wir keine wahren Katholiken. Ich möchte Sie daher alle ermuntern, jeden Tag so zu leben, als sei es Ostern. Dadurch werden wir zum Salz und zum Licht der Erde und schaffen es, andere Menschen zu Jüngern und Jüngerinnen Jesu zu machen. DR
