Bern (novaradio.ch): Heute feiert die Kirche den wohl grössten Theologen und Philosophen. Thomas von Aquin hat die griechische Philosophie – vor allem diejenige von Aristoteles – mit der katholischen Lehre verbunden und dadurch viele Denker bis in die Gegenwart beeinflusst. Das Beispiel des Heiligen Thomas lehrt uns, dass sich Wissen und Glaube nicht ausschliessen, sondern gegenseitig befruchten und ergänzen. Persönlich bin ich überzeugt, dass ein Mensch, der nach Wissen strebt, irgendwann einmal zum Glauben an Jesus Christus gelangt. Ebenfalls bin ich überzeugt, dass ein gläubiger Mensch sich nicht davor fürchten muss, sich mit der Wissenschaft auseinanderzusetzen. Manchmal haben fromme Katholiken die Angst, dass sie ihren Glauben verlieren, wenn sie wissenschaftliche Bücher lesen oder sich mit Philosophie beschäftigen. Dabei sollte ein Christ, der fest an Christus glaubt, angstfrei durch das Leben gehen, da er den Weg und die Wahrheit erkannt hat. Wenn man sich abschottet, dann verpasst man die Chance, seinen Glauben zu vertiefen, da er immer nur an der Oberfläche oder auf der Gefühlsebene verbleibt. Ein Glaube, der nicht getestet und geläutert wird, läuft immer Gefahr, bei der ersten Krise zu verflachen und in sich zusammenzustürzen.
Zudem wird es schwierig, ohne Wissen und Vernunft den Glauben anderen Menschen näherzubringen. Als Katholiken sind wir oft dem Vorurteil ausgesetzt, dass wir keine rationalen Argumente für unseren Glauben haben. Umso mehr wir wissen, desto überzeugender können wir die Frohe Botschaft verkünden. Die Schriften des Heiligen Thomas haben im Laufe der letzten 950 Jahren unglaublich viele Menschen zum Glauben bekehrt, da sie eine Logik und ein Wissen beinhalteten, welche viele Leser überzeugte.
Seien wir ebenfalls gläubige und wissende Menschen. Seien wir Katholiken, die Vernunft und Glauben verbinden und dadurch zum Licht und zum Salz der Erde werden. DR
