Bern (novaradio.ch): Morgen feiert die Kirche das Fest Verklärung des Herrn. Jesus geht mit Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg, wahrscheinlich auf den Berg Tabor, und betet dort. Während des Betens wird sein Aussehen und seine Kleidung von einem Licht überstrahlt. Moses und Elija, die beiden grossen Propheten des Alten Bundes, sprechen mit Jesus. Diesem göttlichen Geschehen gesellt sich dann eine sehr menschliche Überlegung von Petrus. Er bietet an, drei Hütten zu bauen. Daraufhin ertönt eine Stimme aus den Wolken, die sagt: «Dies ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören.»

Ich finde den Vorschlag von Petrus menschlich sehr nachvollziehbar. Petrus möchte diesen Moment, in dem sich Jesus als Gott zeigt, festhalten. Was würde sich da besser eignen als drei Hütten, in denen Jesus, Elija und Moses hausen können? Natürlich wird hier auch auf das Laubhüttenfest angespielt, welches die Juden damals feierten. Das Laubhüttenfest ist ein fröhliches Fest, welches dankbar an den Auszug aus Ägypten erinnerte. Sieben Tage ging dieses Fest. Die Reaktion Gottes, der die Jünger aufruft, auf Jesus zu hören, zeigt aber, dass menschliche Vorstellungen und der Wille Gottes nicht identisch sind. Es ist nicht die Zeit des Feierns und Festhaltens, da Jesus sein Erlösungswerk noch nicht vollendet hat. Deswegen sagt Jesus den drei Jüngern auch beim Heruntersteigen, dass sie niemandem davon erzählen sollen, bis ER von den Toten auferstanden ist.

Für mich ist die Verklärung des Herrn die Botschaft an uns Christen, Gott nicht festhalten zu wollen. In unserem Leben wird es immer wieder so sein, dass Gott sich uns zeigt, indem wir SEINE Liebe immer wieder erfahren. ER zeigt sich uns durch kleine und grosse Wunder, die wir – sofern wir empfänglich dafür sind – erfahren dürfen. Wir dürfen aber nicht den Hochmut besitzen, solche Momente einfrieren zu wollen. Wir haben einen Auftrag in dieser Welt, den wir erfüllen müssen. In der Erfüllung dieses Auftrags kommen wir Gott näher. Ich schreibe dies bewusst deshalb, weil viele Katholiken eine Gotteserfahrung regelrecht erzwingen wollen und dann enttäuscht sind, wenn es nicht klappt. Gott ist immer bei uns und verlässt uns nie. Wir müssen daher nichts erzwingen. Das Einzige, was zählt, ist zu wissen, dass Jesus der Sohn Gottes ist und wir auf IHN hören sollen. DR

Von admin