In einem Schreiben an Priester, Katecheten und katholische Schulen der Erzdiözese San Juan de Cuyo erklärte Erzbischof Lozano, dass die Heilige Kommunion künftig ausschliesslich stehend und in der Hand empfangen werden dürfe. Dies gelte sowohl für die Sakramente der christlichen Initiation als auch für die Kommunion von Ministranten und Eucharistiedienern. Die Massnahme wurde mit dem Ziel eingeführt, die Feierlichkeiten der Erstkommunion und Firmung zu regeln und einheitlich zu gestalten.
Widerspruch zur kirchlichen Praxis
Diese Anordnung steht im Widerspruch zu den Bestimmungen der vatikanischen Instruktion Redemptionis Sacramentum von 2004, die besagt, dass es nicht zulässig ist, einem Gläubigen die Heilige Kommunion allein aufgrund der Art und Weise des Empfangs zu verweigern. Artikel 92 dieser Instruktion betont, dass jeder Gläubige das Recht hat, die Kommunion auf der Zunge zu empfangen, sofern er dies wünscht. Das Kirchenrecht schützt somit die Freiheit der Gläubigen in der Wahl der Empfangsweise der Eucharistie.
Reaktionen und Kritik
Die Entscheidung von Erzbischof Lozano hat in der katholischen Gemeinschaft sowohl in Argentinien als auch international Besorgnis ausgelöst. Kritiker werfen ihm vor, die liturgische Tradition zu missachten und die religiöse Freiheit der Gläubigen einzuschränken. Einige Kommentatoren bezeichnen die Massnahme als „Autoritarismus“, der die Ehrfurcht vor der Eucharistie untergrabe. Besonders besorgniserregend sei, dass Kinder gezwungen würden, die Kommunion stehend und in der Hand zu empfangen, was als Mangel an Respekt gegenüber dem Sakrament angesehen werde.
Historischer Kontext
Die Praxis, die Heilige Kommunion kniend und auf der Zunge zu empfangen, war über Jahrhunderte hinweg die Norm in der katholischen Kirche. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde in einigen Regionen, insbesondere nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, die Möglichkeit eingeführt, die Kommunion auch in der Hand zu empfangen. Diese Änderung wurde von einigen als Anpassung an moderne Zeiten begrüsst, während andere sie als Verlust an Ehrfurcht gegenüber dem Sakrament kritisierten.
Ausblick
Die Entscheidung von Erzbischof Lozano wirft grundlegende Fragen zur liturgischen Praxis und zur religiösen Freiheit auf. Es bleibt abzuwarten, ob weitere Bischöfe ähnliche Massnahmen ergreifen werden oder ob es zu einer erneuten Diskussion über die Empfangsweise der Heiligen Kommunion innerhalb der katholischen Kirche kommt. In jedem Fall zeigt dieser Vorfall die Spannungen zwischen Tradition und Modernität sowie die Herausforderungen, vor denen die Kirche in der heutigen Zeit steht.
