Ab Montag, 10. November 2025, veröffentlicht novaradio.ch ein exklusives Interview, um 16h, mit Ivo Schürmann, dem Pressechef von Kirche in Not Schweiz.

Bildquelle: Privat
Im Gespräch geht es um die weltweite Red Week 2025, in der auf das Schicksal verfolgter Christen aufmerksam gemacht wird.
Während der Red Week vom 15. bis 23. November 2025 wird das Interview auf novaradio.ch nochmals ausgestrahlt.

Im Herbst 2022 wurde der deutsche Pater Ha-Jo Lohre in der malischen Hauptstadt Bamako entführt. Während zwölf Monaten war er Gefangener von Dschihadisten. Im Rahmen der Red Week wird Pater Lohre zwischen dem 15. und 23. November 2025 in verschiedenen Pfarreien der Schweiz Zeugnis ablegen, was Christsein in gefährlichen Staaten wie Mali bedeutet.
Rund 80 % der 20 Millionen Menschen in Mali sind Muslime, 17 % bekennen sich zu traditionellen afrikanischen Religionen, und nur 3–4 % sind Christen. Die Zahl der Katholiken wird auf 300’000 bis 400’000 geschätzt, die meisten leben im Süden des Landes. Im Norden ist das Leben für Christen aufgrund der Sicherheitslage kaum möglich.
Pater Lohre, Missionar der Weissen Väter, besuchte die Schweiz im Juni 2022 im Rahmen einer Predigtkampagne von Kirche in Not (ACN). Damals berichtete er über seine pastorale Arbeit in Mali:
„Als ich 1981 als junger Geistlicher nach Mali kam, war die Situation für Christen unbedenklich. Zwischen Christen und Muslimen herrschte ein gutes Verhältnis. Heute kann ich mich als Christ und Europäer kaum noch im Norden des Landes bewegen. Aber im Süden ist die Situation relativ sicher.“
Kaum sechs Monate später wurde er nach einem Gottesdienst in Bamako entführt. Der 1957 geborene Geistliche gilt als profunder Kenner des Islam. Vor seiner Entführung leitete er ein ökumenisches Zentrum und war in der Bischofskonferenz von Mali für den interreligiösen Dialog zuständig. Während seiner Gefangenschaft sprach er immer wieder mit den meist jungen Dschihadisten.
„Ich habe nie Hass oder Groll gegen sie empfunden“, sagt er heute.
Nach seiner Freilassung lebt Pater Lohre in Südfrankreich. Während seines zweiten Besuchs bei Kirche in Not (ACN) im November 2025 wird er erneut über die Lage der Christen in Mali und anderen Ländern berichten.
Um auf das Schicksal verfolgter Christen aufmerksam zu machen, rief Kirche in Not im Jahr 2015 die Red Week ins Leben.
Christentum hat schweren Stand
Die Gefahr von Gewalt und Entführungen durch radikalislamistische Gruppen hat in Mali in den letzten Jahren stark zugenommen. So wurde die als Missionarin tätige kolumbianische Ordensfrau Gloria Cecilia Narváez fünf Jahre lang gefangen gehalten, bevor sie 2021 freikam.
Auch im Bildungswesen steht die Kirche vor grossen Herausforderungen. Ein Abkommen von 1972 zwischen dem Staat und der katholischen Bischofskonferenz garantiert eigentlich staatliche Subventionen für katholische Schulen. Doch die Regierung kommt ihren Verpflichtungen kaum noch nach. Da rund 80 % der Schüler Muslime sind, wäre eine mögliche Schliessung dieser Schulen 2025 ein herber Rückschlag für das friedliche Zusammenleben.
Wie die Gewalt nach Mali kam
Nach dem Sturz Muammar al-Gaddafis in Libyen gelangten radikale Islamisten mit modernen Waffen nach Mali und brachten Terror und Instabilität ins Land. Im Juni 2022 kam es zu einem Massaker mit fast 200 Toten – Muslime, Anhänger traditioneller Religionen und Christen.
Der afrikanische Islam galt lange als tolerant und war von den sufischen Bruderschaften geprägt. Doch vor 20–30 Jahren begann eine strengere Auslegung, beeinflusst durch den wahhabitischen Islam aus Saudi-Arabien.
Hinzu kommt die politische Instabilität: Nach den Militärputschen 2020 und 2021 brachen die neuen Machthaber die Zusammenarbeit mit europäischen Staaten ab und holten russisches Militär ins Land – ähnlich wie in Burkina Faso und Niger.
Im Jahr 2024 unterstützte Kirche in Not (ACN) die katholische Kirche in Mali mit 350’000 CHF.
