Von der Redaktion von novaradio.ch
Papst Leo XIV. hat in seinen ersten hundert Tagen kein grosses Aufsehen um das Thema Opus Dei gemacht – und genau darin liegt eine stille, aber bemerkenswerte Weichenstellung. Der neue Papst folgt nicht dem Stil lauter Symbolpolitik, sondern setzt auf kirchenrechtliche Ordnung, geistliche Unterscheidung und das Prinzip: Weniger ist manchmal mehr.
Papst Franziskus hatte Opus Dei einen strukturellen Wandel verordnet, der für viele Laienmitglieder als Entwertung erschien. Der Wegfall des bischöflichen Ranges für den Prälaten, die neue Unterstellung unter das Dikasterium für den Klerus und die Reduzierung des Werkes auf eine „klerikale Vereinigung mit Laien“ wurde von nicht wenigen als Misstrauensvotum gegen das spezifische Charisma verstanden.
Leo XIV. hat diese Massnahmen nicht rückgängig gemacht – und das ist konsequent. Aber er füllt sie mit einem anderen Geist: nicht der institutionellen Verkleinerung, sondern der geistlichen Sammlung. Er sieht Opus Dei offenbar nicht als Machtfaktor, sondern als geistliches Werk, das sich – wie jede kirchliche Realität – der Ordnung der Kirche einfügen muss. Zugleich begegnet er ihm mit Wohlwollen und väterlichem Vertrauen.
Die Einreichung der neuen Statuten im Juni 2025 ist mehr als ein formaler Schritt. Sie ist das sichtbare Zeichen dafür, dass Opus Dei nicht im Widerspruch zur Kirche stehen will, sondern in ihr verwurzelt bleiben möchte – auch wenn sich kirchenrechtliche Rahmenbedingungen ändern. Leo XIV. ermutigt diesen Weg der Treue im Gehorsam. Nicht spektakulär, aber richtungsweisend.
Er gibt damit ein Beispiel für den Stil seines Pontifikats: kein Bruch mit der Vergangenheit, aber auch kein Eigensinn. Der Papst regiert nicht durch Konfrontation, sondern durch Sammlung. Und er lässt erkennen, dass es bei allen institutionellen Fragen immer zuerst um eines geht: die Heiligkeit der Berufung und die Einheit der Kirche.
