Die rechtliche Lage in England: Ein Überblick

In England bildet der Abortion Act von 1967 die rechtliche Grundlage. Anders als oft vermutet, ist Abtreibung dort nicht „einfach so“ legal, sondern unter bestimmten Bedingungen straffrei.

1. Die 24-Wochen-Frist

Standardmässig sind Schwangerschaftsabbrüche in England bis zur 24. Schwangerschaftswoche zulässig. Voraussetzung ist, dass zwei Ärzte zustimmen, dass die Fortsetzung der Schwangerschaft ein grösseres Risiko für die physische oder psychische Gesundheit der Frau darstellt als ein Abbruch.

2. Abbrüche bis zur Geburt: Die Ausnahmen

Es ist rechtlich korrekt, dass in England Abbrüche bis zum Zeitpunkt der Geburt durchgeführt werden können, allerdings nur unter extrem engen und spezifischen Voraussetzungen (gemäss Section 1(1)(b, c, d) des Gesetzes):

  • Lebensgefahr: Wenn der Abbruch notwendig ist, um das Leben der schwangeren Frau zu retten.
  • Schwere Gesundheitsschäden: Um schwere, dauerhafte physische oder psychische Schäden der Frau abzuwenden.
  • Schwere Fehlbildungen: Wenn ein erhebliches Risiko besteht, dass das Kind nach der Geburt unter so schweren körperlichen oder geistigen Anomalien leiden würde, dass es schwer behindert wäre.

Wichtig: Eine Legalisierung von Abbrüchen bis zur Geburt ohne medizinische Indikation (also auf reinen Wunsch der Eltern) existiert in England nicht.


Warum wird das Thema aktuell so hitzig diskutiert?

Der Grund für die aktuellen Schlagzeilen liegt meist in der Debatte um die Entkriminalisierung.

In England basiert das Abtreibungsrecht technisch gesehen noch immer auf einem Gesetz aus dem Jahr 1861 (Offences Against the Person Act), das Abbrüche grundsätzlich unter Strafe stellt. Der Abortion Act von 1967 schafft lediglich Ausnahmen von dieser Strafe.

  • Die Befürworter: Fordern, Abtreibung komplett aus dem Strafrecht zu streichen und rein als medizinisches Thema zu behandeln. Sie argumentieren, dass Frauen nicht mit Gefängnis bedroht werden sollten, wenn sie beispielsweise Abtreibungspillen ausserhalb der strengen Protokolle einnehmen.
  • Die Kritiker: Befürchten, dass eine vollständige Entkriminalisierung dazu führen könnte, dass die 24-Wochen-Grenze de facto fällt und Abbrüche bis zur Geburt ohne rechtliche Konsequenzen möglich werden könnten.

Zusammenfassung der Fakten

AspektStatus in England
RegelfristBis zur 24. Woche (mit ärztlicher Begründung).
Abbruch bis zur GeburtNur bei Lebensgefahr oder schwersten Fehlbildungen.
Aktueller TrendDebatte über die Streichung veralteter Strafrechtsklauseln.
Rechtslage 2026Keine allgemeine Legalisierung bis zur Geburt ohne Grund.

Fazit

Die Behauptung, England habe die „Tötung ungeborener Kinder bis zur Geburt“ pauschal legalisiert, ist faktisch unzutreffend. Die strengen medizinischen Hürden für Spätabbrüche bleiben bestehen. Die politische Diskussion dreht sich primär darum, wie das Gesundheitssystem mit Frauen umgeht, die gegen die formalen bürokratischen Abläufe des Gesetzes verstossen.

novaradio.ch

Von admin