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Mittwochskolumne vom 24.08.2022

Eucharistische Anbetung

Bern (novaradio.ch): Es gibt viele Formen der Frömmigkeit. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die denken, es gäbe nur die eine richtige Form. Während es bei den Sakramenten, vor allem bei der Feier der Heiligen Messe, sehr wichtig ist, dass der Priester sich an die liturgischen Vorgaben hält, sind die Laien freier bei der Suche nach den passenden Formen für ihre Beziehung zu Gott. Die einen Gläubigen lieben den Rosenkranz, die anderen gehen an Wallfahrtsorte, wiederum andere beten in der Natur zum Schöpfer aller Dinge. Ich glaube, es war der emeritierte Papst Benedikt, der einmal sagte, es gäbe so viele Wege zu Gott wie es Menschen gibt. Daher finde ich es auch verfehlt, wenn man Menschen aufgrund irgendwelcher Verhaltensweisen, die ihre Spiritualität betreffen, kritisiert. Ich meine damit nicht Verhaltensweisen, die klar gegen die katholische Lehre gerichtet sind, wie beispielsweise esoterische Praktiken, sondern solche, die im Einklang der Lehre sind. Wenn jemand die Handkommunion der Mundkommunion vorzieht oder freie Gebete dem Rosenkranz, dann bleibt er deswegen trotzdem katholisch. Katholisch bedeutet allumfassend und daher ist es wichtig, dass wir – sofern es nicht die dogmatischen Fragen unseres Glaubens betrifft – tolerant sind gegenüber unseren Mitschwestern und Mitbrüdern. Dies vor allem deswegen, weil Gott zu jedem Menschen eine Beziehung sucht und wir nicht wissen können, was der einzelne Mensch in einem bestimmten Moment seines Glaubenslebens braucht. Mir hat beispielsweise der Rosenkranz immer sehr viel Kraft gegeben. Ich bete ihn jeden Tag. Für einen anderen Katholiken kann es ein anderes, persönlich formuliertes Gebet sein, das ihn stärkt. Ich würde nie auf die Idee kommen, mein Beten wichtiger zu empfinden.

Heute möchte ich für eine Frömmigkeitsübung Werbung machen, die ich erst vor einem halben Jahr für mich entdeckte. Die Eucharistische Anbetung. Lange habe ich mich davor gescheut und empfand es nicht als eine Form, die mir zusagt. Vor einem halben Jahr fing ich an, jede Woche einer Eucharistischen Anbetung beizuwohnen, die nach einer Messe stattfand. Die Ruhe und den Frieden, die ich dabei verspürte, sind unvergleichlich. Einfach in der Stille bei Jesus zu verharren und ihm seine Sorgen und Nöte mitzuteilen, ist ein riesiges Geschenk. Was die Eucharistische Anbetung so schön macht, ist die völlige Freiheit, die man beim Anblick des Allerheiligsten verspürt. Gott ist da und man verbringt einfach Zeit mit ihm. Er geht nicht weg, er bleibt ständig bei uns. Ich möchte Sie alle ermutigen, die Eucharistische Anbetung zu versuchen. Vielleicht machen Sie die gleiche Erfahrung wie ich sie machen durfte.