Tag Archiv für news 28.08.22

NEWS: 20 neue Kardinäle

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Reformorientiert – und relativ jung

Die katholische Kirche hat 20 neue Kardinäle. Der jüngste ist erst 48 Jahre alt, viele sind die ersten Kardinäle aus ihrer Region. Damit zeigt der Papst, wie er sich den Kurs eines Nachfolgers vorstellt.

Sie sitzen in einem Halbkreis vor Papst Franziskus, die Kirchenmänner, die jetzt Kardinäle werden. Einer nach dem anderen erheben sie sich, einzeln treten sie nach vorne, knien sich vor den Papst.

Aus seinen Händen erhalten sie die traditionelle Kopfbedeckung, das rote Birett, den Kardinalsring und ihre Ernennungsurkunde.

20 Kardinäle sind es, die Franziskus hier ernennt. 16 von ihnen sind unter 80 Jahren. Das Alter ist wichtig, denn nur Kardinäle, die bei einer Papstwahl noch jünger als 80 sind, sind wahlberechtigt. Indem er jüngere Kardinäle ernennt, kann Franziskus also versuchen, indirekt Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers zu nehmen – in der Hoffnung, dass sein Weg weitergeführt wird.

00:25-01:07   automatischeFull HDsehr hohehohemittlereniedrige  0.250.50.75Standard1.251.51.752Papst Franziskus ernennt 20 neue KardinäleAnja Miller, ARD Rom, tagesschau 20:00 Uhr, 27.8.2022

Die großen Fragen – und die kleinen

Doch worauf legt Franziskus Wert? Kurz zuvor hat er in seiner Predigt beschrieben, was aus seiner Sicht einen guten Kardinal ausmacht:Ein Kardinal liebt die Kirche, immer mit demselben geistlichen Feuer, ob er nun mit großen oder kleinen Fragen befasst ist, ob er die Großen dieser Welt trifft oder die Kleinen, die vor Gott groß sind.

Das betont Franziskus mehrmals: Ein Kardinal müsse sich um die große Diplomatie genauso kümmern wie um die kleinen pastoralen Angelegenheiten.

„Aber politisch sind wir alle“

Die Beschreibung trifft zum Beispiel auf den neu kreierten Kardinal Leonardo Steiner zu, Erzbischof von Manaus im Amazonasgebiet – eine Gegend, die schlimm von der Corona-Pandemie betroffen war. Steiner half dabei, Sauerstoffflaschen zu verteilen. Der Brasilianer mit deutschen Wurzeln ist gleichzeitig ein Kritiker von Brasiliens rechtspopulistischer Regierung. Für Steiner ist das kein Widerspruch:Wir alle gehören zu einer Gemeinschaft. Wir nehmen nicht teil an einer Partei. Aber politisch sind wir alle, das heißt, wir haben eine Verantwortung in der Gemeinde.10.06.2022RücktrittsspekulationenGerüchte um den PontifexEinige Insider sehen Anzeichen dafür, dass Papst Franziskus über einen Rücktritt nachdenkt.

Reformer und Trump-Gegner

Große Fragen der Politik – die sind auch für den US-Amerikaner Robert McElroy ein Thema. Als Bischof der kalifornischen Grenzstadt San Diego macht er sich für Migranten stark – und legte sich dabei auch mit der Regierung Trump an. Auch Rassismus, Einwanderung oder Klimawandel sieht McElroy als wichtige Themen für die Kirche:Ich bin neu im Kardinalskollegium, ich muss noch viel lernen. Aber ich freue mich, den Lernprozess anzufangen. Und ich bin sehr dankbar über die neue Mission, die mir anvertraut wurde und ich freue mich, auf jede mögliche Weise mitzuwirken.

McElroy gilt als Reformer – und als starker Unterstützer des Papstes. Franziskus hat ihn zum Kardinal ernannt, den eigentlich einflussreicheren, konservativen Vorsitzenden der US-amerikanischen Bischofskonferenz dagegen übergangen. Ein Zeichen.17.08.2022Papst-Vertrauter aus KanadaKardinal sexueller Übergriffe beschuldigtDutzenden Geistlichen wird sexueller Missbrauch vorgeworfen – auch einem engen Vertrauten des Papstes.

Das Kollegium wird deutlich internationaler

Franziskus ernennt auch Kardinäle, die aus Regionen kommen, die noch nie einen Kardinal gestellt haben, wie Ost-Timor. Durch die neuen Kardinäle aus Paraguay, Singapur oder Korea wird die Kirche internationaler.

Und durch die Ernennung von Kardinälen wie Giorgio Marengo auch etwas jünger. Der 48-jährige Italiener wirkt in der Mongolei, wo es nur wenige Gläubige gibt, und sagt zu seiner Ernennung:Ich glaube, dass das ein Zeichen für eine Öffnung ist, der Treue zum Evangelium von Seiten des Papstes. Er wendet sich an die kleineren Ortskirchen, die die mehr Unterstützungsbedarf haben, die auf dem Weg zum Glauben Begleitung brauchen.

Erbe geregelt?

Und wie geht es nun weiter? Wenn man die neuen Kardinäle dazurechnet, hat Papst Franziskus den Großteil der wahlberechtigten Kardinäle ernannt. Theoretisch ist es also wahrscheinlich, dass sich eine Zweidrittelmehrheit für einen Papst findet, der irgendwann Franziskus‘ Weg weiterführt.

Theoretisch – denn oft genug entscheiden sich die Kardinäle im Konklave dann doch für einen neuen Papst mit ganz anderen Ideen.Papst ernennt neue Kardinäle – Internationaler denn je

NEWS: Konsistorium beginnt am 29.08.2022

Für Montag, den 29. August, wurde von Papst Franziskus ein ordentliches Kardinalskonsistorium einberufen. Am Montag und Dienstag werden sich die Kardinäle in Rom versammeln, um über die neue Apostolische Konstitution Praedicate Evangelium „nachzudenken“. Dieses Wort verwendete Franziskus am 29. Mai, als er am Ende des Regina Cæli die Einberufung des Konsistoriums ankündigte. Die Einberufung umfaßt mehrere Teile. Im ersten, dem außerordentlichen Konsistorium, wird Franziskus am kommenden Samstag, das nächste Konklave fest im Blick, neue Kardinäle kreieren.

Gesichert ist, daß das von den Kardinälen vorzunehmende Nachdenken kein freier und offener, klarer und ehrlicher Austausch mit Parrhesia [Redefreiheit] sein wird, wie Franziskus zu sagen pflegt, sondern im Gegenteil: Keiner der Kardinäle wird intervenieren oder gar Fragen stellen können.

Dieses „Detail“ wurde gestern von der voyeuristischen, schmuddeligen Website Dagospia, die allerdings über verblüffend gute Kontakte in den kirchlichen Bereich verfügt, bekanntgegeben. Sie berichtete auch, daß die Kardinäle den „ausführlichen einleitenden Bericht von Monsignore Marco Mellino, Sekretär des Kardinalsrates [ex C9-Kardinalsrat], über die Römische Kurie im Lichte der Apostolischen Konstitution Praedicate Evangelium, mit einer allgemeinen Darstellung, Neuigkeiten, Zeiten und Methoden der Anwendung“ erhalten haben. Von diesem Bericht war bereits in einer Meldung der italienischen Presseagentur ANSA vom 9. Mai die Rede, die den Zweck eines Treffens von Franziskus mit den Dikasterienleitern an der Römischen Kurie zum Thema hatte, das an jenem Tag stattgefunden hatte.

Dagospia veröffentlichte das Dokument in seiner Gesamtheit, d. h. den Bericht, der von Mellino bei jenemTreffen den Dikasterienleitern „unter Gelächter und nicht gerade schmeichelhaften Kommentaren“ vorgelesen wurde und der dann an die Kardinäle in aller Welt geschickt wurde, die sich in wenigen Tagen im Vatikan versammeln werden. Msgr. Mellino bereitete sie darauf vor, recte warnte sie vor, daß keine Wortmeldungen oder Fragen der Kardinäle geplant seien.

Jene, die dachten – und das gilt natürlich in erster Linie für die direkt betroffenen Kardinäle selbst –, daß das Konsistorium eine Gelegenheit sein würde, Franziskus um Klarstellungen zur Kurienreform, die am 5. Juni in Kraft getreten ist, bitten oder sogar Anmerkungen dazu abgeben zu können, müssen diese Erwartungen zurückstellen. Dabei ist das Kardinalskollegium der Senat der Kirche und soll den Papst beraten. Doch offenbar handelt es sich um „zu hohe“ Erwartungen an den derzeit regierenden Pontifex, der zwar „Nachdenken“ sagt, aber Schweigen meint.

Laut Dagospia rief der Text bereits die Kritik einiger Mitglieder des Kardinalskollegiums hervor, die ihn für ein eigenwilliges „Potpourri von Überlegungen“ von Paul VI., Johannes Paul II. und Franziskus halten. Die fehlende Nennung von Benedikt XVI. ist dabei kein Zufall.

Zwischen dem außerordentlichen Konsistorium am Samstag und dem ordentlichen, das am Montag beginnt, wird Papst Franziskus am Sonntag einen Pastoralbesuch in L’Aquila, der alten Kaiserstadt des Staufers Friedrich II., abstatten, die bei einem schweren Erdbeben 2009 fast dem Boden gleichgemacht wurde. Dabei ist auch ein Besuch am Grab von Cölestin V. vorgesehen, dem einzigen Papst der Kirchengeschichte, der vor 2013 freiwillig zurückgetreten ist. 

1294 dankte Cölestin, der bis dahin als Eremit in den Bergen gelebt hatte, nach nur wenigen Monaten ab. Nur unter dieser Bedingung hatte er seiner Wahl zugestimmt, nachdem die Kardinäle zwei Jahre lang, seit dem Tod seines Vorgängers, nicht imstande gewesen waren, einen neuen Papst zu wählen. Die beiden großen Parteiungen Guelfi und Ghibellini, die Italien spalteten, hielten sich auch im Kirchensenat die Waage. Die einen standen den Welfen nahe und galten als „päpstliche Partei“, die andere den Waiblingern, womit die Staufer gemeint waren, also der „kaiserlichen Partei“. Allerdings durfte Cölestin, nunmehr wieder Pietro da Morrone, nicht mehr in sein Einsiedlerleben zurückkehren, sondern wurde von seinem Nachfolger in Ehrenhaft gehalten – in Ehren, aber in Haft.

Quelle: katholisches.info

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