In einer privaten Audienz in der Sala Clementina empfing Papst Leo XIV. am heutigen Vormittag die Führungsspitze der Internationalen Vereinigung der Exorzisten (AIE). Das Treffen, das unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit stattfand, markiert einen bedeutenden Moment für die Vereinigung, die seit ihrer kirchenrechtlichen Anerkennung im Jahr 2014 eine immer zentralere Rolle in der Seelsorge der Weltkirche einnimmt.
Der Fokus auf geistliche Unterscheidung
In seiner Ansprache betonte der Heilige Vater die Notwendigkeit einer „klugen und demütigen Unterscheidung“. Leo XIV. hob hervor, dass der Dienst des Exorzismus nicht als spektakuläres Ereignis missverstanden werden dürfe, sondern als ein Akt der Barmherzigkeit und des Schutzes für jene, die unter schweren geistlichen Nöten leiden.
Die zentralen Punkte der päpstlichen Botschaft waren:
- Zusammenarbeit mit der Wissenschaft: Der Papst mahnte an, stets eng mit Experten aus der Psychologie und Psychiatrie zusammenzuarbeiten, um spirituelle Leiden klar von psychischen Erkrankungen abzugrenzen.
- Diskretion und Nächstenliebe: Der Dienst müsse fernab von medialer Sensationslust geschehen, um die Würde der Betroffenen zu wahren.
- Theologische Ausbildung: Er forderte eine noch solidere Ausbildung für Priester, die in dieses schwierige Amt berufen werden.
Die Antwort der Vereinigung
Der Vorsitzende der AIE dankte dem Pontifex für seine Unterstützung und berichtete von der wachsenden Zahl an Anfragen weltweit. Er betonte, dass die Vereinigung es als ihre Mission sehe, die Lehre der Kirche über das Wirken des Bösen klar zu vermitteln, ohne in Aberglauben zu verfallen.
„Unsere Arbeit ist ein Dienst der Hoffnung in einer Welt, die oft den Blick für das Transzendente verloren hat“, so der Sprecher der Vereinigung nach dem Treffen.
Einordnung: Wer ist Leo XIV.?
Da es historisch bisher nur 13 Päpste mit dem Namen Leo gab, steht dieser fiktive Leo XIV. in der Tradition grosser Lehrer wie Leo XIII. (bekannt für seine Sozialenzyklika). Dieser Name deutet auf einen Pontifex hin, der versucht, die Lehren der Kirche mit den Herausforderungen der Moderne zu versöhnen – ein „Löwe“, der sowohl die Tradition verteidigt als auch den Dialog sucht.
SALA STAMPA DELLA SANTA SEDE BOLLETTINO N. 0412/2026
ANSPRACHE VON PAPST LEO XIV. AN DIE MITGLIEDER DES VORSTANDS DER INTERNATIONALEN VEREINIGUNG DER EXORZISTEN (AIE)
Vatikanstadt, Sala Clementina Montag, 16. März 2026
Am heutigen Vormittag empfing der Heilige Vater, Papst Leo XIV., in der Sala Clementina des Apostolischen Palastes die Mitglieder des Vorstands der Internationalen Vereinigung der Exorzisten (Associazione Internazionale Esorcisti – AIE) anlässlich ihres jährlichen Ausbildungskongresses.
Nach der Begrüssung durch den Vorsitzenden der Vereinigung richtete der Heilige Vater die folgende Ansprache an die Anwesenden:
WORTLAUT DER ANSPRACHE
„Liebe Brüder im priesterlichen Dienst,
mit brüderlicher Zuneigung heisse ich Sie hier im Hause des Nachfolgers Petri willkommen. Ich danke Ihrem Vorsitzenden für die freundlichen Worte, die er im Namen Ihrer gesamten Vereinigung, die weltweit so viele Priester in einem ebenso schwierigen wie notwendigen Dienst vereint, an mich gerichtet hat.
Ihr Dienst, den Sie im Namen der Kirche ausüben, ist ein Zeugnis für die Realität des mysterium iniquitatis. In einer Zeit, die oft versucht ist, die Existenz des Widersachers als blossen Mythos oder als psychologische Projektion abzutun, ist Ihre Arbeit eine Erinnerung an die spirituelle Wachsamkeit, zu der uns das Evangelium aufruft. Doch diese Arbeit muss stets von drei Säulen getragen werden: Klugheit, Demut und Liebe.
1. Die Klugheit der Unterscheidung Ich ersuche Sie eindringlich, die Gabe der Unterscheidung (discretio) unaufhörlich zu pflegen. Der Exorzist muss ein Mann des Maßes sein. Die Zusammenarbeit mit den Humanwissenschaften – der Medizin und der Psychiatrie – ist kein Zeichen des Zweifels am Übernatürlichen, sondern ein Gebot der Wahrheit. Wir dienen Gott nicht durch Aberglauben, sondern durch die klare Erkenntnis der Wirklichkeit. Einem leidenden Menschen die richtige Hilfe zukommen zu lassen – sei sie medizinisch oder geistlich – ist der höchste Ausdruck priesterlicher Verantwortung.
2. Die Demut des Dieners Vergessen Sie niemals: Nicht Sie sind es, die den Sieg erringen. Es ist der Name Jesu Christi, vor dem jedes Knie sich beugt. Hüten Sie sich vor der Gefahr, aus diesem Dienst ein Spektakel zu machen oder sich selbst als ‚Spezialisten‘ mit besonderen Kräften zu inszenieren. Der Exorzist ist ein demütiger Kanal der göttlichen Barmherzigkeit. Ihre Stärke liegt nicht in Formeln, sondern in Ihrem eigenen sakramentalen Leben, in der täglichen Eucharistie und in der Treue zum Gebet.
3. Die Liebe zum Gezeichneten Jene, die zu Ihnen kommen, tragen oft tiefe Wunden – an Seele und Leib. Empfangen Sie sie mit der Sanftmut des Guten Hirten. Der Dienst der Befreiung ist ein Dienst der Hoffnung. Er soll den Menschen nicht in Angst zurücklassen, sondern ihn in die Freiheit der Kinder Gottes führen. Sorgen Sie dafür, dass die Betroffenen nach der Befreiung eine geistliche Heimat in ihren Gemeinden finden, damit das Haus ihrer Seele fest auf dem Felsen des Glaubens gegründet bleibt.
Liebe Brüder, ich danke Ihnen für Ihren Opfermut und Ihre Treue. Die Kirche schätzt Ihren diskreten und oft mühsamen Dienst. Ich vertreibe Sie nicht ohne meinen Segen: Möge die Allerseligste Jungfrau Maria, die dem Stolz des Widersachers die Demut der Magd des Herrn entgegengesetzt hat, Sie schützen und leiten.
Ich segne Sie von Herzen. Bitte vergessen Sie nicht, für mich zu beten.“
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Quelle: novaradio.ch, Vatican-News
