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Heilige: Hl. Timotheus

Mitarbeiter des Apostel Paulus, erster Bischof von Ephesus, Märtyrer
* in Lystra, heute das Dorf Kilistra (Gökyurt) bei Konya in der Türkei
† 97 in Ephesus, heute Ruinen bei Selçuk in der Türkei

Timotheus wurde als Sohn eines heidnischen Vaters und einer jüdischen Mutter namens Eunice geboren. Der Tatsache, dass die Mutter eine Mischehe eingegangen war und dass sie ihren Sohn nicht hatte beschneiden lassen, lässt vermuten, dass Timotheus in einer nicht sehr gläubigen Familie aufgewachsen ist, auch wenn gesagt wird, dass er die Schriften von Kindheit an kannte (2. Timotheusbrief 3,15). Als Paulus zu Beginn der zweiten Missionsreise durch Lystra – das heutige Dorf Kilistra (Gökyurt) bei Konya – kam, wählte er Timotheus zum Gefährten, da er ein gutes Zeugnis von den Brüdern in Lystra und Ikonium hatte; er wurde dann von Paulus beschnitten, um einen Konflikt mit Juden zu vermeiden (Apostelgeschichte 16, 2 – 3).

Als Mitarbeiter von Paulus wurde Timotheus mit wichtigen Missionen beauftragt. So wirkte er in den griechischen Städten Beröa – dem heutigen Veria – (Apostelgeschichte 17, 14), wo die Bema gezeigt wird, von der Paulus (angeblich) predigte. Timotheus missionierte auch in Athen 1 und Thessaloniki (1. Thessalonicherbrief 3, 1 – 6), in Korinth (1. Korintherbrief 4, 17) sowie später in Ephesus – heute Ruinen bei Selçuk – (1. Korintherbrief 16, 8. 10) und in den römischen Provinzen von Makedonien (Apostelgeschichte 19, 22). Timotheus begleitete Paulus auf seiner Rückreise nach Jerusalem (Apostelgeschichte 20, 4), war jedoch offensichtlich anderswo tätig, als dieser nach Rom aufbrach.

Timotheus war von Paulus hoch geschätzt. Ich habe keinen Gleichgesinnten, der in so echter Weise für eure Angelegenheiten Sorge tragen wird, schreibt er den Philippern (2, 20); als mein geliebtes und treues Kind im Herrn bezeichnet er ihn im 1. Brief an die Korinther (4, 17); als Mitabsender wird er im 1. Brief an die Thessalonicher, im 2. Brief an die Korinther, im Brief an die Philipper und im Philemonbrief genannt.

Während Paulus‘ erster Gefangenschaft in Rom besuchte ihn Timotheus und wurde vermutlich mit einer Botschaft nach Philippi – den heutigen Ruinen bei Krinides in Griechenland – geschickt (Philipperbrief 2, 19); dort kann man die Reste der ihrer Form wegen Oktagon genannten, auf der ältesten Kirche der Stadt erbauten Bischofskirche sehen.

Der traditionellen Auslegung des 1. und 2. Briefes an Timotheus zufolge zog Paulus nach seiner Freilassung in den Osten zu Timotheus und übertrug ihm die Aufsicht in Ephesus, eine Stellung, die große Verantwortlichkeit erforderte. Aus Sorge schickte er ihm demnach einen Brief, der Ratschläge und Warnungen enthielt und als 1. Brief an Timotheus bekannt ist, und während seiner zweiten Gefangenschaft schrieb er den 2. Brief an Timotheus, der einen Aufruf an seinen geliebten Schüler enthält, ihn so schnell wie möglich zu besuchen. 

Zu einem späteren Zeitpunkt wurde nach den Angaben des Hebräerbriefes (13, 23) auch Timotheus verhaftet, jedoch nach kurzer Zeit wieder entlassen. Gut bezeugt – im 1. Timotheusbrief (1, 3) und durch Eusebius von Cäsarea – ist der weitere Aufenthalt von Timotheus in Ephesus; die Überlieferung nennt ihn Bischof von Ephesus und berichtet von seinem Märtyrertod, nachdem er sich einem ausschweifenden heidnischen Fest widersetzt hatte; unter => Nero schwer gemartert, wurde er von Engeln getröstet, sah den Himmel offen und die Märtyrerkrone, die Christus ihm bereithielt.

Timotheus‘ Leichnam wurde von Ephesus in die Apostelkirche nach Konstantinopel – dem heutigen Ístanbul – überführt und nahe der Gebeine von Lukas und Andreas bestattet, wie Hieronymus 356 in seiner Chronik berichtete. Von dort kamen sie 1204 in die Kathedrale nach bei Campobasso, wo sie am 11. Mai 1945 bei Bauarbeiten wieder entdeckt wurden.

 Die erste Kirche in Athen gab es der Überlieferung zufolge schon im 1. Jahrhundert, sie habe eine von Lukas selbst gefertigte Marienikone besessen. 1859 entdeckte der Archäologe Kyriakos Pittakis an der Stelle der heutigen Lukas-Kirche im Stadtteil Agios Loukas von Athen, 5 km nördlich der Akropolis die Mauern dieser Kirche an dem Platz einer kleinen Lukas-Kirche, die dann der heutigen gewichen ist.

 Paulus‘ wird als Verfasser der beiden Timothesbriefes weithin bestritten.

 Attribute: Keule, Steine
 Patron gegen Bauchschmerzen und Magenleiden
 Bauernregel: Timotheis, / der bricht das Eis; / hat er keins, / dann macht er eins.

Heilige: Hl. Antonius der Grosse

Heilige: Papst Silvester I.

Bischof von Rom

  • in Rom
    † 31. Dezember 335 daselbst

Silvester war traditioneller, aber zweifelhafter Überlieferung zufolge der Sohn von Justa. Er wurde wohl noch vor Beginn der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian im Jahr 284 zum Priester geweiht. Vor den Verfolgungen – und der in Rom grassierenden Lepra – zog er sich dann zeitweise in eine Höhle am Mons Soracte – heute Monte Soratte – zurück; auf dessen Gipfel habe er eine Kirche errichtet an der Stelle eines zuvor dort für die Dis Pater, die Götter der Unterwelt Pluto und Orcus, stehenden heidnischen Heiligtums; daraus wuchs ein ihm geweihtes Kloster.

Sein Amt als römischer Bischof trat Silvester 314 an – ein Jahr, nachdem die römischen Kaiser Konstantin der Große und Licinius 313 die christliche Kirche anerkannt und im Edikt von Mailand jedem Bürger des Reiches das Recht auf freie Religionsausübung gewährt hatten. Diese Ereignisse, oft legendär überhöht, begründen Silvesters Bedeutsamkeit, sein eigenes Wirken hat dazu wenig beigetragen.

Die meist im 5. Jahrhundert entstandenen Legenden berichten Silvesters Standhaftigkeit während der noch andauernden Verfolgungen: Er warnte den Statthalter, der ihn zwingen wollte, die von ihm verwahrten Besitztümer von Christen herauszugeben, bis dieser beim Essen an einer Fischgräte erstickte. Er heilte und bekehrte den angeblich aussätzigen Kaiser; die Legende sagt auch, dass er Konstantin getauft habe, was geschichtlich nicht haltbar ist. Diese Legende ging auch in die Konstantinische Schenkung ein, eine gefälschte Urkunde, die zur Legitimation der Besitzansprüche und Herrschaftsrechte des Papsttums diente, derzufolge Konstantin dem Bischof die Stadt Rom und das ganze Abendland zu eigen gab und ihm das Tragen der kaiserlichen Insignien erlaubte.

Die Legenden erzählen von einem Streitgespräch, das Silvester mit zwölf jüdischen Rabbinern geführt habe, weil Helena ihren inzwischen getauften Sohn Konstantin zum Judentum bekehren wollte. Silvester obsiegte im Disput gegen elf der gelehrten Juden; der zwölfte, Zambri, tötete einen Stier durch die Nennung des Namens Gottes, den der Stier nicht ertragen konnte, um so die Kraft seines Glaubens zu beweisen. Silvester aber konnte mit Gottes Hilfe sogar den toten Stier zum Leben auferwecken, worauf auch Zambri wie die anderen Rabbiner und Helena sich sofort taufen ließen. Heidnische Priester bekehrte Silvester demnach, indem er einen Drachen bezwang.

Weder bei der epochalen Hinwendung Konstantins zum Christentum noch bei der Bewältigung der kirchenpolitischen und dogmatischen Auseinandersetzungen spielte Silvester eine für seine Zeitgenossen erinnerungswürdige Rolle. Er nahm weder 314 an der Reichssynode in Arles teil, wo die Auseinandersetzung mit dem Donatismus begann, noch 325 am 1. Konzil von Nicäa mit den wegweisenden Entscheidungen um die Wesensart Jesu Christi und gegen den bedrohlichen Arianismus. Den Synodalen von Arles schrieb er, er könne die Apostelgräber in Rom nicht im Stich lassen. Noch im späten 4. Jahrhundert belasteten die Donatisten Silvester selbst wie seine Vorgänger mit dem Vorwurf des vorübergehenden Abfalls vom Glauben während der Verfolgungen unter Kaiser Diokletian. Das Fernbleiben vom Konzil in Nicäa begründete Eusebius von Cäsarea mit Silvesters hohem Alter, aber er hat das Konzil immerhin noch um ein Jahrzehnt überlebt.

Silvester ließ über den Priscilla-Katakomben eine Kirche bauen. An der Stelle der heutigen Kirche San Martino ai Monti ließ er in einem geschenktem Haus – wohl ein Nebengebäude der riesigen Thermen des Trajan – ein Oratorium errichten, das allen Märtyrern geweiht wurde; in ihm fand 324 eine Sitzung zur Vorbereitung des 1. Konzils von Nicäa statt. Silvester wurde dann im Coemeterium der Priscilla bestattet, ob in der von ihm erbauten Kirche oder einem der unterirdischen Gänge ist umstritten. Um 760 erfolgte durch Papst Paul I. die Übertragung seiner Gebeine in die Kirche San Silvestro e Stefano – die heutige Kirche San Silvestro in Capite in Rom, auch in seiner Kirche San Martino ai Monti liegen Reliquien in der Krypta. Weitere Gebeine – darunter ein Teil der Schädelrelliquie – kamen in das dann ihm geweihte Kloster San Silvestro der Benediktiner nach Nonàntola.

Die älteste Fassung des Actus Silvestri stammt wohl aus dem im letzten Jahrzehnt des 4. bis ersten Jahrzehnt des 5. Jahrhundert, angeregt durch das damalige römisch-kirchliche Selbst- und Geschichtsbewusstsein. Das Fest für Silvester wird schon seit dem 5. Jahrhundert im ganzen christlichen Europa gefeiert. Die Silvesternacht zum Jahreswechsel ist von einer Fülle des Brauchtums geprägt, Silvesterumzüge waren früher verbreitet.

Patron der Haustiere; für eine gute Futterernte, ein gutes neues Jahr
Bauernregeln: Silvesternacht düster oder klar, / deutet auf ein neues Jahr.
Ist’s zu Silvester hell und klar, / steht vor der Tür das neue Jahr.
Gefriert’s an Silvester zu Berg und Tal, / geschieht auch dies zum letzten Mal.
Wind in St. Silvesters Nacht, / hat nie Wein und Korn gebracht.
Silvester Wind und warme Sunnen / wirft jede Hoffnung in den Brunnen.
Silvesternacht wenig Wind und Morgensonn, / gibt Hoffnung auf Wein und Korn.

Quelle: Heiligenlexikon

Heilige: Hl. Nikolaus

Nikolaus wurde der Überlieferung zufolge von seinem Onkel, Bischof Nikolaus von Myra, im Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht und als Abt im Kloster von Sion – heute untergegangener Ort, Namensgeber eines katholischen Titularbistums – nahe seiner Heimatstadt eingesetzt. Als seine Eltern an der Pest starben, erbte Nikolaus ihr Vermögen und verteilte es an Arme: so bewahrte er mehrere junge Frauen aus seiner Nachbarschaft in seiner Heimatstadt Patara, indem er heimlich Geld durchs Fenster – oder durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken – warf, so für eine ausreichende Mitgift sorgte und verhinderte, dass der Vater seine Töchter zur Prostitution hergeben musste; deshalb gilt Nikolaus als Geber guter Gaben und Freund der Kinder; eine sehr alte Fassung der Legende behauptet, er habe das Geld seinen Eltern gestohlen, was an eine spätere Legende von Franziskus erinnert.

Nach dem Tod seines Onkels pilgerte Nikolaus ins Heilige Land, nach seiner Rückkehr wählte die Gemeinde Myra ihn zum neuen Bischof und damit zum Nachfolger von Nikandros von Myra. Die Legende zeichnet Nikolaus als temperamentvollen Streiter und zugleich als Mann der fähig war, diplomatisch zu vermitteln und Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Bei einem Aufstand von in Phrygien stationierten germanischen Söldnern begegnete er in Myra hohen Offizieren aus Konstantinopel – dem heutigen Ístanbu, bei denen er nachhaltigen Eindruck hinterließ.

Drei zu Unrecht gefangen gehaltene Feldherrn konnte Nikolaus der Überlieferung zufolge wundersam befreien, indem er im Traum dem Kaiser erschien und um ihre Befreiung bat; in anderer Version rettete er sie, indem er das Schwert des Henkers abwehrend ergriff; deshalb wurde er Patron der Gefangenen. Er rettete Schiffbrüchige, deshalb ist er Patron der Seefahrer. Um ein in Seenot geratenes Schiff zu retten mit drei Pilgern, die von Ephesus – heute Ruinen bei Selçuk – ausfuhren mit für eine christliche Kapelle bestimmtem heiligen Öl, begab er sich an Bord, stillte den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen. 1 Drei ermordete und von Kannibalen bereits in einem Fass zu Pökelfleisch zubereitete Knaben erweckte er wieder zum Leben; Hintergrund dieser Legende ist wohl das um den Nikolaustag üblich gewesene Schlachten vor Weihnachten.

Nikolaus zerstörte mehrere Tempel der Heidengöttin Diana / Artemis, die in den Küstenorten Lykiens als Patronin der Seefahrer verehrt wurde; ihr Tempel in Myra war der größte und prunkvollste – Nikolaus‘ Gedenktag 6. Dezember ist Dianas Geburtstag. Während der bald schon einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert.

325 nahm Nikolaus am 1. Konzil von Nicäa teil. Überliefert ist, wie er kämpferisch gegen die falsche Lehre des Arianismus vorging; die Legende erzählt, dass er deren Verfechter Arius während des Konzils geohrfeigt habe. Erzählt wird, dass Nikolaus beim Konzil anhand eines Ziegelsteins die Lehre von der Dreieinigkeit illustrierte: in einer einzigen Realität, dem Ziegelstein, existieren drei verschiedene Wesenheiten, nämlich Wasser, Erde und Feuer; seine Worte wurden demnach unterstrochen durch das Wunder, dass aus dem Ziegelstein eine Flamme emporschlug. Auch mit seinem Freund Bischof Theognis von Nicäa – dem heutigen Íznik -, der den Auffassungen des Arius zuneigte, führte Nikolaus heftige Diskussionen; schlussendlich gehörte Theognis zu den Unterzeichnern des Bekenntnisses von Nicäa. Lassen wir über unserem Zorn die Sonne nicht untergehen, zitiert später Andreas von Kreta den Vermittler Nikolaus.

Vom 15. Jahrhundert an verbreitete sich die Legende von den Getreidehändlern: Nikolaus erbat bei einer Hungersnot in Myra von jedem der für den Kaiser in Rom bestimmten Schiffe nur 100 Scheffel und versicherte, dass durch sein Gebet nichts bei der Ablieferung fehlen werde, was sich bewahrheitete; Nikolaus aber konnte seine Gemeinde auf Jahre hinaus ernähren und sogar Saatgut austeilen.

Gesicherte historische Nachrichten über das Leben und Wirken von Nikolaus gibt es nicht. In der Überlieferung vermischten sich Nachrichten über einen Abt Nikolaus von Sion nahe Myra und solche über den Bischof Nikolaus aus dem nahen Pinara bei Minare nahe Fethiye.

Der Kult um Nikolaus entwickelte sich zu Beginn des 6. Jahrhunderts. Kaiser Justinian weihte ihm Mitte des 6. Jahrhunderts eine Kirche in Konstantinopel – dem heutigen Ístanbul, in der auch einige Reliquien verwahrt wurden. Der Kult verbreitete sich auch in Griechenland, wo er als Hyperhagios, Überheiliger, verehrt wird, und kam dann in die slawischen Länder. Über die byzantinische Tradition wurde Nikolaus einer der am meisten verehrten Heiligen Russlands, er folgt im Osten in der Verehrung unmittelbar nach Maria. Nikolaus wurde einer der beliebtesten Volksheiligen mit vielen legendären Erzählungen, die vor allem seine menschenfreundliche und hilfsbereite Art bezeugen. Sein aufgebrochener, leerer Sarkophag wird noch heute in der wieder hergestellten Nikolaus-Basilika in Demre von Wallfahrern der Ostkirche verehrt.

In Rom zog der Kult im 8. Jahrhundert ein, er verbreitete sich dann zunehmend auch in Süd- und Mitteleuropa. Schon Friesen-Missionar Liudger baute der Überlieferung nach die erste deutsche Nikolauskapelle im münsterländischen Billerbeck. 972 brachte Kaiserin Theophanu anlässlich ihrer Hochzeit mit Kaiser Otto II. eine Reliquie – 1660 als Fingerknochen beschrieben – aus Byzanz mit; sie befand sich seit 1058 in der Nikolaus geweihten Kapelle am südlichen Seitenschiff des Domes in Worms und ging 1688 bei der Zerstörung des Domes im Pfälzer Erbfolgekrieg verloren.

Um 980 entstand in Deutschland die erste Nikolauskirche im Kloster Brauweiler. Im April 1087 wurden die Gebeine von Nikolaus, dem Patron der Seefahrer, durch 62 Abenteurer aus der italienischen Hafenstadt Bari, die auf drei Schiffen anreisten, aus dem Marmorgrab in der Nikolaus-Basilika in Myra entwendet und in ihre Heimatstadt entführt. Dort wurden sie zunächst im damaligen Benediktinerkloster San Benedetto – an der Stelle der heutigen Kirche San Michele Arcangelo aufbewahrt.

Als Tag der Ankunft der Gebeine in Bari gilt der 9. Mai, die Feiern in Bari – einschließlich einer See-Prozession und von Feuerwerken – beginnen schon am 7. und dauern bis zum 10. Mai. Der Abt Elias des Klosters San Benedetto – der zugleich Erzbischof von Bari war – bekam für den Bau einer neuen Kirche als Ort der Verehrung der Reliquien den Platz mit den Trümmern des byzantinischen Gouverneurspalastes zur Verfügung gestellt und begann mit den Arbeiten für die monumentale Basilika San Nicola, die Papst Urban II. 1098 weihte, wobei er bei dieser Gelegenheit zur Teilnahme am 1. Kreuzzug aufrief.

Nikolaus ist Patron auch der Pfandleiher und Bankiers aufgrund der Legende um das Geld, das ein Christ höher stellte als sein Versprechen: Ein Christ hatte einem Juden, der ihm Geld geliehen hatte, beim heiligen Nikolaus versprochen, das Geld pünktlich zurückzugeben. Aber er tat es dann nicht, sondern behauptete, er habe den Betrag längst zurückgegeben. Als es in einer Gerichtsverhandlung zum Schwur kam, benutzte er einen Trick: er versteckte das Geld im Inneren eines Stabes und bat den Juden, den Stab zu halten, damit er die Hände für den Schwur frei halten könne; dann schwor er, dass der Jude das Geld habe, nahm dann den Stab wieder und verließ mit dem Geld darin das Gerichtsgebäude. Zur Strafe kam der Christ danach unter einen Wagen und starb; der Jude aber zeigte sich großzügig: er wollte das ihm gehörende Geld nur nehmen, wenn Nikolaus den Christen wieder zum Leben erwecke, was dann auch geschah, woraufhin der Jude sich zum Christentum bekehrte.

Im 14. Jahrhundert entstand der Brauch des Bischofsspieles in Klosterschulen, wo ein Schüler für einen Tag – zuerst am Tag der Unschuldigen Kindlein, dann am Nikolaustag – als Bischof fungieren durfte; in der Schule des Klosters Montserrat wird dieser Brauch bis heute gepflegt. Daraus entstand der Brauch, dass Nikolaus die Kinder beschenkt, seit 1555 ist Nikolaus als Gabenbringer für Kinder belegt.

Nikolaus gilt als Helfer in fast allen Schwierigkeiten. Ansatzpunkte für das Brauchtum und seine zahlreichen Patronate finden sich in den Legenden. Als Gegenpol zum gütigen Nikolaus, der die Kinder beschenkt, bekam er in verschiedenen Ländern seit dem 17. Jahrhundert Begleiter zur Seite gestellt: in Deutschland Knecht Ruprecht, in Frankreich Père Fouettard, in der Schweiz Schmutzli, in Österreich und Bayern Krampus, der mit Bocksfuß, Teufelsfratze und Kettenrasseln die weniger Braven einschüchtern soll, in Luxemburg den Housecker, in den Niederlanden den Zwarte Piet, der einen gezähmten Teufel darstellen soll. In der Gegend um Berchtesgaden sind noch wildere Erscheinungsformen als Volksbrauch geläufig: die mit Stroh verkleideten Perchten oder Buttnmandl. Am 6. Dezember wurde nach früherer Perikopenordnung das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Matthäusevangelium 25, 14 – 23) erzählt: Drei Knechten wird jeweils Geld anvertraut; jeder muss Rechenschaft ablegen, was er mit dem Geld gemacht hat. Der bekannte Brauch der Befragung der Kinder durch den Nikolaus, ob sie denn auch brav und fromm gewesen seien, geht auf diese Praxis zurück. Ursprünglich war der Nikolaustag – nicht Weihnachten – der Tag der großen Bescherung mit Geschenken; in einigen Ländern ist er dies heute noch.

Schiffchensetzen nennt man den seit dem 15. Jahrhundert bekannten Brauch, bei dem Nikolausschiffe aus Papier gebastelt werden, in die Nikolaus seine Gaben legen soll – Hintergrund für diesen Brauch dürfte sein Patronat für Schiffer sein – auch heute noch findet sich auf vielen Handelsschiffen ein Bildnis von Nikolaus. Das Nikolausschiffchen wurden später durch Stiefel, Schuhe oder Strümpfe abgelöst, die am Nikolausabend von den Kindern vor die Tür gestellt werden und die über Nacht von ihm mit Süßigkeiten gefüllt werden; dieser Brauch basiert auf der Legende von den drei Jungfrauen, die nachts von Bischof Nikolaus beschenkt wurden.

Als kyndisch Ding lehnte Martin Luther die Legende um Nikolaus in einer Predigt zum Nikolausfest 1527 ab. Doch trotz seiner Widerstände gegen den katholischen Kult ließ Luther Nikolaus als Gabenbringer noch einige Zeit neben dem von ihm bevorzugten Christkind in seiner Familie gewähren: in einer Haushaltsrechnung aus dem Jahr 1535 sind Ausgaben für 135 Nikolausgeschenke an die von Luther und seiner Frau Katharina betreuten Kinder sowie Jahrmarktsgeschenke für das Gesinde aufgeführt. So konsequent, wie Luther den Nikolausbrauch am 6. Dezember bekämpfte, versuchte er, das Beschenken durch das Christkind am 25. Dezember zu beleben, seitdem wurde die Bescherung in vielen – auch in katholischen – Ländern auf Weihnachten verlegt.

Der Weihnachtsmann mit weißem Bart und rotem Gewand, der den Kindern am Heiligen Abend die Geschenke überreicht, geht auf den niederländischen Sinterklaas zurück, dessen Tradition holländische Auswanderer nach Nordamerika mitbrachten, wo er als Santa Claus bedeutsam wurde. Der Karikaturist Thomas Nast zeichnete ihn erstmals im Jahr 1862 für Harper’s Weekly als eine kleine Elfe, die im Amerikanischen Bürgerkrieg die in der Union verbliebenen Nordstaaten unterstützt; in den folgenden 30 Jahren benützte Nast seine Figur immer wieder, nach 1880 erhielt sie auch den roten Mantel. In den 1920er-Jahren verwendete die Firma Coca Cola Santa Claus im Stil von Nasts Figur und in ihren Firmenfarben für Anzeigen. Das heute gewohnte Bild des beleibten, freundlichen Nikolaus wurde spätestens 1915 von der US-amerikanischen Mineralwasserfirma White Rock zu Werbezwecken erfunden. Für die weltweite Verbreitung dieses heute gewohnten Bildes des Nikolaus sorgte dann wieder Coca Cola ab 1931.

In Bari wurde neben Kirchen und einem Platz auch das moderne Fußballstadion nach Nikolaus benannt. Das Bild des Weihnachtsmanns, der mit einem von Rentieren gezogenen Schlitten um die Welt fliegt und seine Geschenke verteilt, geht angeblich zurück auf ein 1823 anonym veröffentlichtes Gedicht mit dem Titel The Night before Christmas.

Auch in liberalen islamischen Familien beschenkt Noel Baba die Kleinen. In der Türkei ist Noel Baba für eher weltlich eingestellte Familien das Symbol, sich am Silvesterabend zu beschenken und den Übergang ins neue Jahr zu feiern; in großen Kaufhäusern verteilen dann als Noel Baba verkleidete Angestellte Süßigkeiten an die Kunden.

Die frühmittelalterliche Nikolaus-Basilika in Myra – dem heutigen Demre – enthält das leere Grab von Nikolaus. Die früheste Kirche über dem Bischofsgrab in Myra wurde Mitte des 5. Jahrhunderts errichtet, die ältesten Teile des jetzigen Baus stammen aus dem 9./10. Jahrhundert. Russlands Zar Alexander I. ließ im Jahr 1853 die Kirche seines Landespatrons teilweise wiederherstellen, nachdem Überschwemmungen und Erdbeben Myra hatten versinken lassen. Der deutsche Archäologe Jürgen Borchardt trug von 1965 bis 1968 durch seine Arbeiten am Ort viel dazu bei, dass die Basilika mit Bodenmosaiken und die restaurierten Fresken wieder freigelegt wurde. Nach fünf Jahren Unterbrechung konnte der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel am 6. Dezember 2007 dort erstmals wieder einen Gottesdienst zelebrieren.

2012 entdeckten türkische Archäologen eine Unterkirche unter der heutigen Nikolaus-Basilika in Myra; nach ihrer Auffassung liegen dort die echten Gebeine von Nikolaus; die Gebeine aus dem Grab in der Basilika, die nach Bari gebracht wurden, seinen nur die eines dort bestatten Priesters gewesen.

Wohl wegen seines Patronats für – eigentlich unschuldige – Gefangene haben wohl auch Diebe Nikolaus zu ihrem Patron erkoren. In Rom war die Kirche San Nicola in Carcere eine Gefängniskirche, die das päpstliche Privileg hatte, jedes Jahr zum Nikolausfest einen zum Tode Verurteilten zu begnadigen.

In Fribourg in der Schweiz findet am 1. Samstag des Dezembers jedes Jahr das Nikolaus-Fest statt; ein weiß gekleideter Nikolaus zieht auf einem Esel durch die Straßen und wirft den Kindern das Süßgebäck Saint-Nicolas zu. Nikolaus ist Schutzpatron der Stadt, die Kathedrale birgt Reliquien und ist nach ihm benannt. 2009 kamen Teile dieser Reliquien nach Wolgograd in Russland.

Reliquien besitzt auch die 1616 bis 1662 erbaute Konkathedrale San Nicolás de Bari (!) in Alicante, wo er Stadtpatron ist. 2017 reisten die Gebeine von Nikolaus von Bari nach Russland und machten dort für zwei Monate in den großen Kathedralen des Landes Station; über 2,5 Millionen Gläubige nahmen stundenlanges Schlangestehen auf sich, um die Reliquien zu verehren. Kurienkardinal Kurt Koch, der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, sah den Besuch der Reliquien als ein historisches Ereignis auf dem Weg zur Einheit der Kirchen an.

Russische Wissenschaftler haben 2014 das Gesicht des Heiligen anhand der Reliquien aus Bari rekonstruiert, seine Größe mit 1,67 Meter festgestellt und herausgefunden, dass er kein Fleisch gegessen hat. Eine innere Quetschung der Schädelhöhle sei wohl durch das lange Ausgesetztsein in der Kälte und Feuchtigkeit des Gefängnisses hervorgerufen worden.

Attribute: Bischof, drei Goldkugeln, drei Brote, drei Äpfel, drei Steine, Pökelfass mit drei Knaben, Schiffe, Steuerrad, Anker

Patron von Russland, Lothringen; von Rosenheim in Bayern, Amsterdam, Kanton und Stadt Fribourg in der Schweiz, Bari, Meran und Lagonegro bei Potenza in Italien, Alicante in Spanien, Spetses in Griechenland und New York; der Kinder, der Schüler, Mädchen, Jungfrauen, Frauen mit Kinderwunsch, Gebärenden und alten Menschen, der Ministranten, Feuerwehr, der Pilger und Reisenden; der Sinti und Roma, der Gefangenen, Diebe und Verbrecher, der Eigentümer und Bettler; der Seeleute, Schiffer, Fischer, Flößer, Schiffsbauer, Matrosen und Fährleute, der Kaufleute, Bankiers, Pfandleiher; der Richter, Rechtsanwälte und Notare, der Apotheker, Bauern, Bäcker, Müller, Korn- und Samenhändler, Metzger, Bierbrauer, Schnapsbrenner, Wirte, Weinhändler, Fassbinder, Parfümhersteller und -händler, Schneider, Weber, Spitzen- und Tuchhändler, Knopfmacher, Brückenbauer, Steinmetze, Steinbrucharbeiter, Kerzenzieher; für glückliche Heirat und Wiedererlangung gestohlener Gegenstände; gegen Wassergefahren, Seenot und Diebe; (zweiter) Patron des Bistums Lausanne-Genf-Fribourg und des Bistums Bari-Bitonto
Bauernregeln: Regnet es an Nikolaus / wird der Winter streng, ein Graus.
Trockener St. Nikolaus, / milder Winter rund um’s Haus.
Fließt zu Nikolaus noch Birkensaft, / dann kriegt der Winter keine Kraft.
St. Nikolaus / spült die Ufer aus.

Quelle: Heiligenlexikon

Heilige: St. Martin

Alles zum Hl. Martin.