Archiv für Mittwochs Kolumne

Mittwochskolumne vom 21.09.2022

Der Heilige Pater Pio

Bern (novaradio.ch): Dem Heiligen Pater Pio zu Ehren möchte ich meine Kolumne heute ihm widmen. Sein Gedenktag ist diesen Freitag, am 23. September. Der Heilige Pater Pio bedeutet mir viel, da er im 20. Jahrhundert ein Zeichen dafür war, dass trotz allen technischen Fortschritten das Mysterium Gottes grösser ist als alles andere. Der Kapuzinermönch hat bewiesen, dass Gott immer noch das letzte Wort hat und Wunder wirken kann. Ich bin nicht jemand, der denkt, dass der Glaube an Christus nur dadurch bestärkt werden kann, wenn Gott Wunder in unserem Leben wirkt. Unser Leben selbst ist ein Wunder, für das wir unendlich dankbar sein müssen. Daher bin ich manchmal auch skeptisch, wenn fromme Katholiken immer mit dieser Erwartungshaltung beten, Gott müsse in ihr Leben eingreifen. Trotzdem durfte auch ich Zeuge von Erlebnissen sein, die ich mir mit rationalen Argumenten nicht erklären konnte. Auch wenn ich es falsch finde, immer auf Wunder zu hoffen, ist es eine grosse Stärkung, wenn Gott manchmal die Naturgesetze aus Liebe zu uns überwindet. Viele Menschen durften dies im Zusammenhang mit Pater Pio erleben. Dieser Heilige, der die Wundmale Christi trug, hat mit seinem Leben und Wirken viele Herzen zu Gott geführt. Ein Satz von Pater Pio finde ich dabei aber ganz zentral: „Eher könnte die Welt ohne die Sonne bestehen als ohne das Heilige Messopfer.“ Bei aller Liebe und Verehrung zu den Heiligen dürfen wir nie vergessen, dass die Heiligen nur Fürsprecher sind, währenddem Gott das wahre Heil darstellt. Die Grösse Pater Pios besteht gerade darin, dass er immer wieder auf Christus gezeigt hat. Vor allem ist seine Liebe zur Eucharistie zu erwähnen. Es ist tatsächlich so, dass die Welt nicht ohne die Eucharistie bestehen könnte. Dies muss vor allem denjenigen Verantwortungsträgern in der Kirche klar sein, welche die Heilige Messe immer mehr an den Rand drängen wollen. Es gibt keine Erneuerung der Kirche, ohne dass wir die Eucharistie ins Zentrum unseres Lebens stellen. Möge der Heilige Pater Pio für uns Fürsprache halten, damit wir die Kirche und die Gesellschaft aus der Liebe zur Eucharistie heraus erneuern. DR

Mittwochskolumne vom 14.09.2022

Marsch für s’Läbe

Bern (novaradio.ch): An diesem Samstag findet in Zürich-Oerlikon um 14.30 Uhr der Marsch für s’Läbe statt. Eigentlich ist es traurig, dass es in einer Gesellschaft überhaupt Demonstrationen braucht, um darauf aufmerksam zu machen, dass das Leben das höchste Gut ist, das es zu schützen gilt. Noch trauriger ist es, dass die Menschen, die für dieses Anliegen demonstrieren wollen, dieses Demonstrationsrecht erkämpfen müssen. Mir scheint, man dürfe heutzutage für alles demonstrieren, nur nicht für das Leben. Dabei ist das Anliegen, das menschliche Leben von der Empfängnis bis zum Tod zu schützen, konfessions- und religionsübergreifend. Das Leben ist für Moslems, Juden, Reformierte und Katholiken heilig. Eine Gesellschaft, die anfängt, den Wert des Lebens zu relativieren, endet notwendigerweise in der Barbarei. Das Leben bleibt ein Mysterium, da Gott uns alle in Liebe erschaffen hat. Wenn der Mensch anfängt, Gottes Entscheide zu hinterfragen, macht er sich nur sehr unglücklich damit. Es ist wichtig, eine Kultur des Lebens zu fördern, nicht eine Kultur des Todes. Dabei geht es darum, werdenden Müttern und älteren Menschen Mut zu machen, sich für das Leben zu entscheiden. Ich erwähne bewusst auch die älteren Menschen, da ich es sehr schlimm finde, wie viele Menschen im Alter sich das Leben nehmen, da sie sich unnütz vorkommen. Diese Kultur des Todes ist zu durchbrechen. Jeder Mensch hat seinen Wert. Dabei ist es wichtig, dass wir als Gesellschaft die Menschen, die vor solch wichtigen Entscheiden stehen, nicht alleine lassen. Wir müssen uns fragen, wo wir als Gesellschaft versagen, wenn so viele werdende Mütter sich gegen ihr Kind entscheiden. In der Schweiz ist es beispielsweise nicht einfach, ein Kind alleine aufzuziehen. Es geht hierbei nicht nur um die finanziellen Mittel, sondern auch um den sozialen Rückhalt. Es ist unsere Aufgabe als Katholiken, Menschen in schwierigen Momenten zu unterstützen, damit sich diese für das Leben entscheiden und später mit diesem Entscheid nicht alleine gelassen, sondern von uns getragen werden. Dies von Alt bis Jung, von der werdenden Mutter bis zum Senioren.

Mit Freude werde ich dieses Jahr das erste Mal am Marsch für s’Läbe teilnehmen. Der Marsch für s’Läbe darf aber kein einmaliges Ereignis bleiben. Dieser Marsch für das Leben findet nicht nur einmal im Jahr statt, sondern muss jeden Tag stattfinden. Überall, wo wir etwas dazu beitragen können, den Menschen aufzuzeigen, dass ihr Leben wertvoll ist, findet ein Marsch für das Leben statt. Seien wir daher auch im Alltag eine Stütze für unsere Mitmenschen, damit das Leben das höchste Gut bleibt. DR

Mittwochskolumne vom 07.09.2022

Die Heilige Messe ist keine Privatangelegenheit

Bern (novaradio.ch): Zurzeit wird in der Presse über den Fall der Gemeindeleiterin in Effretikon berichtet, die bei einer Heiligen Messe die Wandlungsworte mitgesprochen hat und zugab, früher Messen simuliert zu haben. Sie hat es natürlich nicht so ausgedrückt, aber als Katholik weiss man, dass nur ein Priester einer Messe vorstehen darf und es einen liturgischen Missbrauch darstellt, solche Handlungen vorzunehmen, die nur einem Priester zustehen. Daher sind alle Formen des Gottesdienstes, welche den Gläubigen vorspielen, es handle sich um eine Messfeier, abzulehnen. Es geht auch gar nicht darum, ob eine Frau oder ein Mann einer solchen Simulation vorsteht, sondern darum, dass es kein Priester ist. Der Journalist Raphael Rauch hat diesbezüglich mit einem österreichischen Kirchenrechtler ein Interview geführt, welches für mich sehr gut und erhellend war. Der Kirchenrechtler hat den Satz getätigt, dass es sich bei der Heiligen Messe nicht um eine Privatangelegenheit handelt. Im Bistum Basel, in dem noch viel mehr liturgische Missbräuche vorkommen als in anderen Bistümern, muss sich dies jeder Katholik zu Herzen nehmen. Der grösste Missbrauch an den Gläubigen stellt die Tatsache dar, dass Eucharistiefeiern durch Wortgottesdienste ersetzt werden, auch wenn Priester vorhanden wären, um mit den Menschen die Heilige Messe zu feiern. Anstatt Priestern zu ermöglichen, ihrer Berufung nachzugehen und den Auftrag Jesu zu erfüllen, werden Diakone und Pastoralassistenten mit Steuergeldern bezahlt, um Wortgottesdienste zu leiten. Natürlich kann die Situation vorkommen, dass Wortgottesdienste nötig sind, da kein Priester vorhanden ist, aber die bewusste Wahl, solche Gottesdienste Eucharistiefeiern vorzuziehen, ist ein schwerer Missbrauch an den Gläubigen. Die Heilige Messe ist keine Privatangelegenheit, sondern dient dem Heil aller Menschen. Das zweite Vatikanum lehrt uns, dass die Heilige Messe das Zentrum des christlichen Lebens ist. Es ist nicht unser Recht, dieses Zentrum zugunsten von Verdienstmöglichkeiten von Laientheologen oder ständigen Diakonen zu zerstören. Wir alle, die dieser Entwicklung zusehen, machen uns dadurch mitschuldig. Wenn die Heilige Messe keine Privatangelegenheit ist, müssen wir alle dafür kämpfen, dass diese vielen Menschen ermöglicht wird. Dieser Aufruf geht auch an konservative Katholiken, die zwar selbst die Messe besuchen, sich jedoch nicht dafür einsetzen, dass Eucharistiefeiern in den Pfarreien angeboten werden. Wir alle sind in der Pflicht. Keiner darf sich als Konsument betrachten, der nur für sich das Seelenheil sucht. Es geht uns alle etwas an und wir alle sind es unseren Mitbrüdern und Mitschwestern schuldig, das Angebot an Heiligen Messen zu fördern.DR

Mittwochskolumne vom 31.08.2022

Lernen vom Glauben anderer Religionen

Viel wird heute über den interreligiösen Dialog und die Ökumene geredet. Ich glaube auch, dass es für einen Katholiken richtig ist, allen Menschen Nächstenliebe entgegenzubringen, unabhängig davon, welcher Religion sie angehören. Gerade deswegen, weil ich glaube, dass der katholische Glaube der wahre ist und Christus für alle Menschen litt und starb, sehe ich mich verpflichtet, keine Menschen aufgrund ihrer Religion auszugrenzen. Ich habe Moslems, Hindus, Reformierte, Agnostiker und auch Atheisten als Freunde. Sie alle sehe ich als Geschöpfe Gottes und seine Ebenbilder. Der interreligiöse Dialog und die Ökumene dürfen aber nicht dazu führen, dass unser eigener Glaube verwässert wird. Dies wurde in der Schweizer Kirche über Jahrzehnte hinweg in vielen Pfarreien gemacht. Anstatt dort miteinander zu wirken, wo sich Christen und auch Nicht-Christen auf menschlicher Ebene treffen – beispielsweise in der tätigen Nächstenliebe – hat man in Glaubensfragen eine Annäherung gesucht, die weder den Katholiken noch den Reformierten etwas gebracht hat. Viele ökumenische Gottesdienste gleichen daher eher einer weltlichen Veranstaltung, die Christus nicht mehr ins Zentrum stellt. Dabei könnten wir Katholiken bei gläubigen Reformierten viel lernen, wenn es um die Liebe zur Heiligen Schrift geht.

Ich möchte an dieser Stelle ein anderes Beispiel erwähnen, wie man von Andersgläubigen lernen kann. Ich spiele Basketball und seit Kurzem spielt ein Algerier mit uns. Nach dem Spiel gehen wir oft ein Bier trinken. Zum Spass sagten wir ihm, er müsse als Neuer das Bier für die Mitspieler bezahlen. Ganz erschrocken sagte er, dass er uns Getränke bezahlen würde, jedoch nicht Bier. Wir haben ihm daraufhin gesagt, dass unsere Aufforderung ein Spass sei. Mich hat aber sein Glaube sehr beeindruckt. Nicht nur trinkt er als gläubiger Moslem kein Bier, er möchte auch nicht dafür bezahlen, dass andere dies trinken. Für wie viele Häresien, die gerade im Bistum Basel praktiziert werden, zahlen gläubige Katholiken mit ihren Kirchensteuern? Wie viele Pastoralassistenten und Diakone verdrängen Priester von den Altären, um Wortgottesdienste zu feiern, die wenig mit dem katholischen Glauben zu tun haben? All dies akzeptieren wir, wenn wir brav unsere Kirchensteuern zahlen, ohne uns zu überlegen, was damit in den Pfarreien gemacht wird. Dies ist kein Plädoyer für einen Austritt aus der Steuergemeinschaft, sondern dafür, dass sich gläubige Katholiken in der Kirchgemeinde, wo sie leben, engagieren sollen. Dieser gläubige Moslem, der mit mir Basketball spielt, würde sicherlich nicht zulassen, dass mit seinem Geld ein Irrglaube gefördert wird. Weshalb tun wir dies als Katholiken in der Schweiz? DR

Mittwochskolumne vom 24.08.2022

Eucharistische Anbetung

Bern (novaradio.ch): Es gibt viele Formen der Frömmigkeit. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die denken, es gäbe nur die eine richtige Form. Während es bei den Sakramenten, vor allem bei der Feier der Heiligen Messe, sehr wichtig ist, dass der Priester sich an die liturgischen Vorgaben hält, sind die Laien freier bei der Suche nach den passenden Formen für ihre Beziehung zu Gott. Die einen Gläubigen lieben den Rosenkranz, die anderen gehen an Wallfahrtsorte, wiederum andere beten in der Natur zum Schöpfer aller Dinge. Ich glaube, es war der emeritierte Papst Benedikt, der einmal sagte, es gäbe so viele Wege zu Gott wie es Menschen gibt. Daher finde ich es auch verfehlt, wenn man Menschen aufgrund irgendwelcher Verhaltensweisen, die ihre Spiritualität betreffen, kritisiert. Ich meine damit nicht Verhaltensweisen, die klar gegen die katholische Lehre gerichtet sind, wie beispielsweise esoterische Praktiken, sondern solche, die im Einklang der Lehre sind. Wenn jemand die Handkommunion der Mundkommunion vorzieht oder freie Gebete dem Rosenkranz, dann bleibt er deswegen trotzdem katholisch. Katholisch bedeutet allumfassend und daher ist es wichtig, dass wir – sofern es nicht die dogmatischen Fragen unseres Glaubens betrifft – tolerant sind gegenüber unseren Mitschwestern und Mitbrüdern. Dies vor allem deswegen, weil Gott zu jedem Menschen eine Beziehung sucht und wir nicht wissen können, was der einzelne Mensch in einem bestimmten Moment seines Glaubenslebens braucht. Mir hat beispielsweise der Rosenkranz immer sehr viel Kraft gegeben. Ich bete ihn jeden Tag. Für einen anderen Katholiken kann es ein anderes, persönlich formuliertes Gebet sein, das ihn stärkt. Ich würde nie auf die Idee kommen, mein Beten wichtiger zu empfinden.

Heute möchte ich für eine Frömmigkeitsübung Werbung machen, die ich erst vor einem halben Jahr für mich entdeckte. Die Eucharistische Anbetung. Lange habe ich mich davor gescheut und empfand es nicht als eine Form, die mir zusagt. Vor einem halben Jahr fing ich an, jede Woche einer Eucharistischen Anbetung beizuwohnen, die nach einer Messe stattfand. Die Ruhe und den Frieden, die ich dabei verspürte, sind unvergleichlich. Einfach in der Stille bei Jesus zu verharren und ihm seine Sorgen und Nöte mitzuteilen, ist ein riesiges Geschenk. Was die Eucharistische Anbetung so schön macht, ist die völlige Freiheit, die man beim Anblick des Allerheiligsten verspürt. Gott ist da und man verbringt einfach Zeit mit ihm. Er geht nicht weg, er bleibt ständig bei uns. Ich möchte Sie alle ermutigen, die Eucharistische Anbetung zu versuchen. Vielleicht machen Sie die gleiche Erfahrung wie ich sie machen durfte.