Archiv für Mittwochs Kolumne

Mittwochskolumne vom 15.06.2022

Eucharistie ist das Zentrum des christlichen Lebens

Bern (novaradio.ch): Morgen feiern wir Fronleichnam. An diesem Hochfest danken wir Gott für das grösste Geschenk, das er uns hinterlassen hat. Die Eucharistie. Eucharistie bedeutet auf Griechisch Danksagung. Wir danken Gott, dass er uns so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn für uns hingab, damit alle gerettet werden können. In der Eucharistie vollzieht sich dieses Heilsgeschehen immer wieder von Neuem. Ich glaube, es ist uns allen nicht bewusst, wie wunderbar dieses Sakrament ist. Wir werden seine Tiefe auch nie ausschöpfen können. Jede Eucharistiefeier bringt so viel Segen für die Welt, dass wir dies nicht mit Worten ausdrücken können. Umso trauriger ist es, dass viele Menschen den Wert dieses grossen Sakramentes nicht mehr erkennen. In unserem Bistum Basel beispielsweise wird die Eucharistie immer mehr an den Rand gedrängt. Moderne Theologen wollen die Eucharistie durch andere Formen des Gottesdienstes ersetzen. Dabei vergessen sie, dass das Feiern der Eucharistie von Jesus Christus selbst als Auftrag an seine Jünger gegeben wurde. Das zweite Vatikanum betont ebenfalls die zentrale Stellung der Eucharistie. Sie ist das Zentrum des christlichen Lebens. Aus der Eucharistie heraus lebt die Kirche und jeder einzelne Katholik.

Es gibt heutzutage viele Überlegungen, wie man das Pfarreileben gestalten kann. In unserem Bistum zeigen sich grosse Ermüdungserscheinungen, da das Pfarreileben in den meisten Pfarreien am Boden liegt. Die Partizipation an der Kirche ist sehr gering und viele Menschen wenden sich von der Kirche ab. Es gibt in der heutigen Zeit sicherlich keine Geheimrezepte für ein erfolgreiches kirchliches Wirken, jedoch gibt es ein Mittel, um die Kirche mit Sicherheit zugrunde zu richten. Überall dort, wo die Eucharistie nicht ins Zentrum gestellt wird, zerfällt die Kirche. Umgekehrt ist jeder Neuanfang nur möglich, wenn die Eucharistie ins Zentrum aller Pfarreiaktivitäten gesetzt wird. Die christliche Gemeinschaft besteht darin, dass Katholiken zusammenkommen und die Eucharistie feiern. Das Feiern dieses grossen Mysteriums hält uns in der Liebe zueianander zusammen. Denken wir morgen wieder daran, wenn wir Fronleichnam feiern. Die Eucharistie muss unser Zentrum sein.

Mittwochskolumne vom 08.06.2022

Bern (novaradio.ch):

An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen

In der Kirche gibt es verschiedene Lager. Auf der einen Seite die sogenannt Progressiven, welche die Glaubenslehre mit Reformen an den Zeitgeist anpassen wollen, auf der anderen Seite die sogenannt Konservativen, welchen sogar einige Reformen, die das zweite Vatikanum brachte, zu weit gehen und diese rückgängig machen wollen. Ich persönlich habe diese beiden Begriffe – konservativ und progressiv – immer abgelehnt, da sie nicht sehr aussagekräftig sind. Auch wenn ich Forderungen wie die Frauenordination, die Aufhebung des Zölibats oder die Änderung der katholischen Morallehre in Bezug auf die Sexualität ablehne, so sehe ich mich trotzdem nicht als Konservativen. Als Christen müssen wir an die Wahrheit glauben. Die Wahrheit ist weder konservativ noch progressiv, sondern durch unser Herz und unsere Vernunft objektiv erkennbar. Die Gebote Gottes dienen uns und unseren Mitmenschen. Der Wille Gottes ist kein willkürlicher Wille, der uns aufgezwungen wird, sondern dient uns zum Heil.

Gefährlich finde ich aber die Tendenz, wenn sich ein Christ nur darüber definiert, ob er konservativ oder progressiv ist. Es gibt in beiden Lagern gute Menschen, die Gott und den Mitmenschen redlich und aufrichtig dienen wollen. Und es gibt in beiden Lagern Menschen, die nur sich selber dienen wollen. Diese Wahrheit muss offen ausgesprochen werden. In der Bibel steht, dass wir sie an ihren Früchten erkennen werden. Gott wird uns beim jüngsten Gericht nicht danach fragen, ob wir uns selbst als konservative oder progressive Christen bezeichnet haben, sondern was wir konkret für unsere Mitmenschen getan haben. So steht es im Evangelium. Wer seinen Mitmenschen nicht dienen will, dem fehlt die Liebe. Wem die Liebe fehlt, der möchte nicht den Willen Gottes umsetzen, sondern seinen eigenen. Hüten wir uns also davor, uns zu stark mit Etiketten zu schmücken. Es ist zwar wichtig, die Lehre der Kirche zu verteidigen, aber ebenfalls ist es wichtig, im Alltag die Nächstenliebe zu praktizieren. Die Welt soll uns daran erkennen, wie viel Liebe wir für unsere Mitmenschen in uns tragen, und nicht daran, wo wir uns kirchenpolitisch verorten. DR

Mittwochskolumne vom 01.06.2022

Pfingsten

Bern (novaradio.ch): Der Geburtstag der Kirche, Pfingsten, steht vor der Tür. Der Herr schenkte seinen Jüngern an Pfingsten die Gaben des Heiligen Geistes, damit diese sich nicht mehr hinter verschlossenen Türen aufhalten, sondern draussen in der Welt den Glauben aktiv verkünden. Pfingsten muss uns alle inspirieren, unsere Selbstbezogenheit zu überwinden und den Glauben im Alltag zu leben und zu bezeugen. Der Heilige Geist befähigte die Jünger, in verschiedenen Sprachen zu reden. Auch wenn wir nicht auf das Wunder hoffen sollten, dass wir plötzlich über Nacht Fremdsprachen erlernen, so können wir diese Gabe in einem kleineren Ausmass vom Heiligen Geist erbitten. Wir vermeiden es heute oft, mit Menschen zu reden, die nicht den gleichen Glaubenshintergrund wie wir haben. Oft sind Katholiken nur unter ihresgleichen. Diese Haltung widerspricht aber dem missionarischen Auftrag der Kirche. Wir müssen erlernen, die Frohe Botschaft auf verschiedene Weisen an die Frau und den Mann zu bringen. Das bedeutet nicht, dass wir den Glauben verkürzen oder relativieren dürfen. Ganz im Gegenteil. Aber wir müssen Wege finden, Menschen die Fülle des Evangeliums nahezubringen, die über kein grosses Wissen über das Christentum verfügen. Niemand darf verurteilt werden, nur weil er sich bisher nicht mit dem Glauben auseinandergesetzt hat. Ich bin sogar felsenfest überzeugt, dass gerade die Menschen, die bisher fern vom Glauben gelebt haben, am offensten für den lehramtstreuen Glauben sind. Es ist leider wie vor 2000 Jahren, als die Schriftgelehrten ihr Herz verschlossen hielten, währenddem diejenigen, die bisher ohne Gott lebten, sich für die Frohe Botschaft öffneten. Wenn die Jünger nicht in verschiedenen Sprachen zu allen Menschen gesprochen hätten, wäre die Kirche eine Lokalkirche in Jerusalem geblieben und nicht die weltumspannende Gemeinschaft, die sie heute ist. Wenn die Jünger hinter verschlossenen Türen geblieben wären, wäre der Glaube nicht gewachsen. Der Glaube ist aber etwas, was wir nicht für uns behalten dürfen, sondern mit unseren Mitschwestern und Mitbrüdern teilen müssen. Auch das zweite Vatikanum forderte uns auf, offen den Glauben im Alltag durch Taten der Nächstenliebe und unser Glaubenszeugnis zu verkünden. Pfingsten findet immer dann statt, wenn wir unsere Verschlossenheit ablegen und uns dem Heiligen Geist anvertrauen, dass er uns zu seinen Werkzeugen macht, die Liebe Gottes zu allen Menschen zu verbreiten. Öffnen wir uns daher und lassen wir uns vom Heiligen Geist führen. DR

Mittwochskolumne

Christi Himmelfahrt

Bern (novaradio.ch): Mein Lieblingssatz morgen am Hochfest Christi Himmelfahrt wird wieder der folgende sein: Ihr Männer von Galiläa, was steht Ihr da und schaut zum Himmel empor? Die beiden Engel rufen dies nicht nur den Männern von früher hinzu, sondern auch uns allen, Frauen und Männern, die auf den Namen Jesu getauft sind. Christi Himmelfahrt ist ein wunderbares Fest, welches uns einerseits darauf aufmerksam macht, wo unser Ziel als Christen liegt. Wir sind nicht für die Erde geschaffen worden, sondern vor allem für den Himmel. Aber der Weg zum Himmel geht über die Erde. Daher ist diese Aufforderung, uns nicht nur darauf zu konzentrieren, Christus im Himmel zu erblicken, sondern die Herausforderungen des Alltags mutig anzunehmen, sehr wichtig. Heutzutage geht diese Aufforderung an all jene Katholiken, die glauben, man könne sich den Himmel ohne Taten der Nächstenliebe gewinnen. Als Katholiken sind wir vor allem auch Menschen der Tat und des tatkräftigen Einsatzes. Das Gebet und der Besuch der Messe sind wichtig, aber dabei darf nicht vernachlässigt werden, im Alltag den Glauben zu leben. Der Blick auf das Göttliche darf uns nicht den Blick wegnehmen für die Nöte unserer Mitmenschen. Auf die Kirche bezogen ist dies auch ein wichtiger Aufruf. Viele Katholiken leben ihr Glaubensleben als Konsumkatholiken, die nur froh darüber sind, ihre Messe zu besuchen und die Sakramente zu empfangen, ohne dass sie sich überlegen, was getan werden muss, um auch anderen Mitmenschen die Freude und Fülle der katholischen Kirche nahezubringen. Der Heilige Vater betont immer wieder, dass die Kirche missionarisch sein muss. Im Bistum Basel beispielsweise haben wir sehr grosse Missstände und viele Katholiken, die eigentlich das Lehramt unterstützen, schauen untätig zu. Das sakramentale Leben in vielen Pfarreien ist beinahe komplett zerstört, wobei diese Zerstörung noch aktiv durch Kirchensteuern finanziert wird. Ich bin für das duale System, welches wir in der Deutschschweiz kennen, jedoch glaube ich, dass es wichtig ist, sich aktiv einzubringen, um eine authentische Kirche aufzubauen, die nicht ihr Wesen verleugnet. Es kann nicht sein, dass Katholiken nur in den Himmel schauen und dabei vergessen, was ihre Mission hier auf Erden wäre. Jesus Christus hat seinen Jüngern sein Werk hinterlassen, damit diese es weiterführen. In den letzten Jahren haben wir nur vom Erbe der Kirche gelebt, jedoch keinen Wiederaufbau geleistet. Es ist daher kein Wunder, dass es so viele selbsternannte Reformer gibt, welche die Kirche nun komplett umbauen und damit zerstören wollen. Das alles ist auch unsere Schuld, da wir diese Reformer gewähren lassen und sie noch finanzieren. Seien wir daher nicht wie die Männer in Galiläa, die nur in den Himmel schauen. Unsere Heimat ist im Himmel, jetzt sind wir aber auf Erden und vor uns liegt viel Arbeit. Packen wir es an – Jetzt! DR

Mittwochskolumne vom 18.05.2022

Die Gebote Gottes

Bern (novaradio.ch):Die Barmherzigkeit Gottes ist für mich sehr wichtig. Ich bin ein grosser Verehrer der Barmherzigkeit Gottes. Wenn man über die grosse Barmherzigkeit und Liebe Gottes nachdenkt, stellt sich unweigerlich die Frage, für was denn überhaupt Gottes Gerechtigkeit da ist? Wenn uns Gott unendlich liebt, weshalb sind wir überhaupt dazu aufgerufen, die Gebote Gottes zu halten? Ist uns dann nicht einfach alles erlaubt? Das sind theologisch schwierige Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind. In meinem Leben habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Einhaltung der Gebote Gottes keinen Gegensatz zur Barmherzigkeit Gottes darstellt. Gott gibt uns seine Gebote nicht deswegen, um uns in unserer Freiheit zu berauben, sondern um uns den Weg in das Reich Gottes zu zeigen. Es ist auffallend, dass sehr viele Menschen, welche die Gebote Gottes ablehnen, auch ein grosses Problem mit der Vorstellung eines barmherzigen Gottes haben. Barmherzigkeit macht eben nur Sinn, wenn wir an eine Gerechtigkeit glauben. Diese Menschen sind dann aber auch gegenüber ihren Mitmenschen sehr hart und unbarmherzig. Es gibt aber leider auch Christen, die sich sehr fromm geben, jedoch gegenüber ihren Mitschwestern und Mitbrüdern sehr hart sind. Mein Ideal – wobei ich tagtäglich daran scheitere – ist es, gegenüber mir selbst hart zu sein und gegenüber anderen nachsichtig und barmherzig. Es ist daher wichtig, sich zu fragen, inwiefern man im Einklang mit den Geboten Gottes lebt. Sie sind nicht überflüssig, wenn wir an die Barmherzigkeit Gottes glauben, sondern eine wichtige Voraussetzung dafür, die Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen in ihrer ganzen Tiefe zu verstehen. rc